Maylis de Kerangal

Brandung

Roman
Cover: Brandung
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518432785
Gebunden, 238 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Andrea Spingler. Am Hafen von Le Havre wird ein Mann tot aufgefunden. In der Jackentasche ein Kinoticket und auf dessen Rückseite ihre Telefonnummer. Sie erhält einen Anruf des ermittelnden Polizisten. Nur: Was soll sie - Synchronsprecherin in Paris, Mutter und Ehefrau - mit diesem ermordeten Mann in der 200 Kilometer entfernten Stadt zu tun haben? Sie reist sofort nach Le Havre. Verlangt, die Leiche zu sehen. Angelangt in der Stadt ihrer Kindheit, begegnet sie unwillkürlich den Bildern ihrer Vergangenheit. Der Hafenkai, das Lichtspielhaus, jeder Ort trägt Spuren vergessener Episoden. Und immer mehr drängt sich ihr die Erinnerung an ihre erste verlorene Liebe auf. Was, wenn der Tote diese Jugendliebe ist, die damals von heute auf morgen wie vom Erdboden verschwunden war? Ein mysteriöser Tod, eine Spurensuche an den Orten der Jugend und eine Hafenstadt, in der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschwimmen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 13.03.2026

Am Anfang dieses facettenreichen Romans steht der Anruf eines Polizisten, erklärt Rezensentin Dina Netz: Eine Leiche wurde gefunden, am Strand von Le Havre, der Heimatstadt jener Protagonistin, die wir erst im weiteren Verlauf dieser Geschichte kennenlernen - eine Geschichte, die sich der Leserin und auch der Protagonistin als traditionelle Whodunnit-Story ankündigt, diese Erwartung jedoch gewitzt unterläuft, dabei auch verläuft, immer weiter und tiefer, in historischen Exkursen und Erkundungen, in Begegnungen mit alten Bekannten, Erinnerungen oder Reflexionen der Heldin über sich selbst und ihre Zukunft. Wird Kerangal wohl jemals wieder aus diesem "erzählerischen Dickicht" herausfinden, fragt sich Netz irgendwann im Verlauf der Lektüre, nicht etwa aus Ermüdung oder Verwirrung, sondern wohl eher aus Gewohnheit, bevor sie neugierig weiter liest und dann auch bald feststellt: Sie muss es gar nicht herausfinden. Das Dickicht selbst erweist sich als Kunstwerk, in dem alles seinen Platz und seine Richtigkeit hat: Der Tote vom Anfang genauso wie jeder Exkurs und jede Lücke, so die applaudierende Rezensentin.

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