Max Scheler (1874-1928), neben Heidegger und Husserl der wichtigste Kopf der Phänomenologie, feinfühliger Psychologe, bedeutender Soziologe und Begründer der philosophischen Anthropologie, gehört inzwischen zu den Klassikern der deutschen Philosophie. Indem er die phänomenologische Methode auf die Gebiete der Ethik, der Kultur- und der Religionsphilosophie übertrug und die sittlichen Werte als unwandelbare Wesenheiten darstellte, entwickelte er eine Wertethik, die wieder sehr aktuell ist. Denn Grundlage für moralisches Handeln sind seiner Auffassung nach nicht - wie bei Kant - rein formale Gesetze, insofern nur ihnen aufgrund ihrer Apriorität Allgemeingültigkeit zugesprochen werden kann; vielmehr wird für Scheler das Wertvollsein einer Sache nicht durch einen intellektuellen, sondern durch einen emotionalen Akt erfasst, durch "intentionales Fühlen".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.06.2000
Das ist mal eine Rezension, die auf relativ engem Raum klipp und klar macht, was von dem Buch zu halten ist. Viel! Die Texte Schelers sprechen für sich, auch die Auswahl der Herausgebers Paul Good findet lobende Erwähnung. Ärgerlich aber findet Rezensent Volkmar Mühleis die gut 30 Seiten umfassende Einführung des Herausgebers, die "einem die Freude am Lesen" verdirbt. Dieser kommentiere brav die Argumentationskette des Phänomenologen, statt in die Widersprüche der Schelerschen Argumente einzuführen: alles akkurat wiedergegeben, aber - huschhusch - über Reizpunkte hinweg. Angesichts der Debatte um Gentechnik plädiert Mühleis eindringlich für die Aktualität der Schelerschen Fragestellung, die nach einer "Logik des Herzens" forscht und dabei der Wahrnehmung und Intuition einen quasi ethischen Stellenwert zubilligt.
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