Mary Costello

Ein geborgtes Leben

Roman
Cover: Ein geborgtes Leben
Penguin Verlag, München 2026
ISBN 9783328604259
Gebunden, 256 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Aus dem Enlischen von Jasmin Humburg. Das intime Porträt einer Frau, die auf schmerzhafte Weise lernt, ihr Leben für sich selbst zu beanspruchen. Im Dublin des Jahres 1985 verliebt sich die neunzehnjährige Anna Hughes Hals über Kopf in Peter Gallagher, einen älteren, weltgewandten Mann. Anna ist introvertiert und naiv, und Peters Erfahrung, sein großer Freundeskreis und seine Abenteuerlust faszinieren sie. Sie entwickelt eine beinahe obsessive Abhängigkeit, lässt Peter immer mehr über ihr Leben bestimmen. Bis der große Verrat unausweichbar scheint. Einige Jahre später lernt sie Karim kennen, einen strenggläubigen Muslim. Und Stück für Stück droht Anna erneut, ihr eigenes Leben zu entgleiten. Erst in der Rückschau kann sie begreifen, wie eine Reihe von kleinen Beben eine große Kette von Ereignissen auslösen konnten.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.10.2026

Leider mehr "selbstverliebte Nabelschau" als radikal verstörende Selbstanalyse mit anschließendem Neuanfang liest die unzufriedene Rezensentin Julia Schröder in Mary Costellos Roman. Die Protagonistin Anna Hughes verliebt sich auf einer Dubliner Party in einen weitaus älteren Mann und unterhält die nächsten zwanzig Jahre eine wahnsinnig ungesunde Beziehung zu ihm. Er entjungfert sie im Vollrausch, sie kann sich nicht mehr daran erinnern, daraus folgen aber keine Konsequenzen, seufzt Schröder. Was am Anfang noch nach "Annie-Ernaux-Einsteigerprogramm" klingt und Hoffnung auf weibliche Selbstermächtigung macht, erscheint ihm schnell zu kitschig. Anna kreist mithilfe von C.G. Jung und Albert Camus um sich selbst, nach Peter ist sie in einer Beziehung mit Karim, für den sie zum Islam konvertiert und anschließend tut sie sich in ihrer Therapie selbst leid, resümierz die Kritikerin. Das hätte in einem guten Sinne "verstörend" werden können, ist aber laut Schröder einfach anstrengend: Die "Vibrationen der Seele", die die Protagonistin erforschen will, bieten ihr keine Erkenntnis, sondern nur Selbstbezogenheit, wie sie genervt resümiert.