Martina Zöllner

Bleibtreu

Roman
Cover: Bleibtreu
DuMont Verlag, Köln 2003
ISBN 9783832178567
Gebunden, 374 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Bleibtreu ist die gefühls- und sprachgenau beschriebene Erfahrung einer Frau auf dem Weg in die Geliebtenexistenz. Sie arbeitet bei einer großen Produktionsfirma fürs Fernsehen und weiß mit ihren sechsunddreißig Jahren genügend über sich Bescheid, um den Roman über das aussichtslos scheinende Leben als Geliebte zu schreiben. Er hat gerade geheiratet, als sie geboren wurde; er ist immer noch verheiratet und mit seinen philosophischen Büchern bekannt geworden. In seinen Aufzeichnungen zum geplanten 'Näheprojekt' nennt er sie entweder A für Antonia oder DJD für Das junge Ding. Antonia Armbruster und Christian Bleibtreu sind im Umgang miteinander ein schonungsloses Paar. Er sagt alles, was er muss - sie schreibt alles, was sie kann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003

Martin Krumbholz ist in Rage. Nicht wegen Martina Zöllners Roman, den findet er "großartig. Ohne Einschränkung. Eins plus." Was Krumbholz nervt, sind seine Kollegen, die das "scharfsinnige" Buch über die Affäre zwischen einem Philosophen und einer Fernseh-Produzentin zu einem Schlüsselroman erklärt und damit einen weiteren Baustein der laufenden "Walser-Dekonstruktion" geschaffen hätten. Leider könne man deshalb die Geschichte, wie die Geliebte sich der Situation - durch das Schreiben eines Romans - literarisch bemächtigt, gar nicht mehr unvoreingenommen lesen. Der Protagonist etwa wäre eine "wunderbare (und übrigens liebenswerte) Figur, dächte man nicht fast 400 Seiten lang: So so, der Herr Walser, ts, ts." Denn obwohl Zöllners Werk stilistische Ähnlichkeiten mit Walser aufweise, sei es doch ein Zeugnis der "ureigenen Legitimität" der Autorin. Der Roman ist Krumbholz zu Folge vielmehr im besten Sinne wie ein Walser-Roman: Er ist "intelligent konstruiert als work in progress, er ist witzig, selbstironisch, er ist sprachmächtig und sprachgenau, er ist süffig zu lesen." Aber das, so der Rezensent, hat noch lange nichts mit Epigonalität zu tun.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2003

Mit diesem Roman hat sich der Professor in der Literatur vom vertrottelten Wissenschaftler zum Liebhaber gemausert, meint Hannelore Schlaffer. Dabei sei der eigentliche Tummelplatz der Liebe zwischen einem verheirateten Philosophieprofessor und seiner Geliebten, die in diesem Roman geschildert wird, vor allem die Sprache und das Telefon das eigentliche Medium dieser Beziehung, schreibt die Rezensentin. Damit hat ihrer Ansicht nach die Autorin Martina Zöllner ein "neues Sujet" entdeckt, das sie insgesamt auch "gelungen" erkundet, wie Schlaffer findet. Nur die wenigen "pornografischen Szenen" findet die Rezensentin offensichtlich überflüssig und sie sieht sie vor allem dem "Zeitgeschmack" geschuldet. Ansonsten aber lobt sie den Sprachstil der Autorin, der, wie sie betont, vom "saloppen" Duktus des Telefongesprächs mit seinen typischen Albernheiten bis zu spöttischen, respektlosen Abkürzungen wie "DLD" für "das liebe Ding" reicht. Und so beurteilt die Rezensentin diesen Romanerstling als "gelungenen Laufbahnschritt" einer Nachwuchsautorin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2003

Martina Zöllners Roman um die Fernsehfrau Antonia Armbruster, einer Art Carrie Bradshaw ("Sex and the City") des deutschen Medienbetriebs, die sich mit einem Buch an ihrem Geliebten, dem Philosophen Christian Bleibtreu, rächen will, hat Rezensentin Maike Albath nicht eben vom Hocker gerissen. Wie Zöllner ihre Heldin von den Wirrnissen ihres Gefühlslebens abwechselnd in der ersten und der dritten Person erzählen und sie die Liebe als Topos und den Schreibprozesses gleich mitreflektieren lässt, findet Albath doch reichlich bemüht. Für "noch bemühter" hält sie indes die Passagen, "in denen die Protagonistin über die Abgegriffenheit ihrer Lage nachdenkt und so tut, als sei der Kitschfaktor berechnend eingesetzt." Trotz einiger gelungener Passagen, etwa über die Provinzjugend in Speyer mit Lokalkolorit oder die Schilderungen des Elternhauses und der kleinbürgerlichen Verwandtschaft, steht für Albath fest: Mit Literatur hat dieser Roman nichts zu tun. Sie begründet ihr hartes Urteil mit der "Plappersucht", einer "allumfassenden Bagatellisierung", der "Augenzwinker-Pose" des Romans: "zu mehr als akademisch abgefederter Lifestyle-Prosa reicht es nicht".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Einen "fulminanten" Einstand gibt Martina Zöllner mit ihrem Romanerstling "Bleibtreu", der das Dilemma der ewig Geliebten und immer Zweiten (hinter der legitimen Ehefrau) aufgreift. Volker Breidecker zeigt sich angenehm überrascht, dass der Roman, obwohl er in der neuerdings so beliebten Medien- und Geisteswelt spielt (Fernsehredakteurin trifft auf Philosophen), frei ist von schrillen oder schmachtenden Tönen. Er sieht eher einen parodistischen Umgang mit dem Milieu gegeben (zum Beispiel in der Namenswahl, die dem Professor das "Bleibtreu" verpasst hat), fühlt sich beim flotten Tonfall an Thomas Bernhard erinnert und bringt auch noch den Namen Robert Altmann ins Spiel, weil Zöllner (selbst Kulturredakteurin bei einem Kulturkanal, jedoch wird dezent verschwiegen bei welchem) so schön mit Tönen, Bildern und Geräuschen jonglieren könne. Die paar Längen und Schwächen des Romans - schlechte Behandlung des Nebenpersonals - fallen für Breidecker nicht weiter ins Gewicht.
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