Mit 3 Übersichtskarten der Stadt Wien sowie einem umfangreichen Personen- und Ortsregister. Ein Porträt in 200 Orten von A bis Z: Vom Akademietheater bis zum Zwölf-Apostel-Keller durchstreift das Buch Orte entlang der Biografie Bernhards und entdeckt dabei bislang wenig bis gar nicht Bekanntes (etwa das Wohlgefühl beim Durchschreiten der "Schüttelstraßentür"), sucht Orte der Rezeption und der Skandalisierungen auf, erschließt die literarischen Wiener Schauplätze des OEuvres und stellt die Plätze der Bernhard-Forschung in der Stadt vor.
Thomas Bernhard ist ein Wiener Autor. Österreichs Nationaldichter wird gemeinhin mit Salzburg oder dem oberösterreichischen Alpenvorland, nicht mit der Bundeshauptstadt assoziiert. Thomas Bernhards Wien zeigt einen bislang vernachlässigten Schwerpunkt in Leben und Werk: Zu Beginn seiner Karriere suchte der Salzburger Student Anschluss an die Künstlerkreise der Hauptstadt, seinen Durchbruchsroman Frost schrieb er hier, sein Spätwerk spielt vorwiegend in Wien, über 30 Jahre lang hatte er einen Wiener Wohnsitz.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.2023
Rezensentin Daniela Strigl freut sich sehr über Martin Hubers und Wolfgang Straubs Buch über Thomas Bernhards Wien, obwohl der Schriftsteller eigentlich eher mit anderen Städten wie Salzburg oder Ohlsdorf assoziiert werde. Aber auch zu Wien, Schauplatz mehrerer Dramen, habe Bernhard eine intensive Hass-Liebe gepflegt, wie ihr das Buch zeigt, dass zweihundert alphabetische Einträge zum Thema bietet, von "Akademietheater bis Zwölf-Apostel-Keller". Erfrischend und gelungen findet die Kritikerin dabei die Verschränkung von Bernhard-Biografie, Werkexegese und Stadtgeschichte, die die Autoren gleich eines "Myzels" zu entfalten wüssten; detailliert, sprachlich versiert und dabei auch noch lustig, lobt sie. Nicht zu kurz komme dabei ein ausgiebiges "Product Placement", vom Schuhmacher Scheer über den Juwelier Fischmeister bis zum Nobelschneider Kniže - schon auch ein bisschen "Snob-Literatur", räumt Strigl ein. Der Gebrauch des Gendersternchens dürfte dem "rebellischen Konservativen" Bernhard weniger gefallen haben, vermutet sie, findet diesen sich vom Gegenstand "emanzipierenden" Ansatz der Autoren aber völlig gerechtfertigt.
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