Markus Somm

Marignano

Die Geschichte einer Niederlage
Cover: Marignano
Stämpfli Verlag, Bern 2015
ISBN 9783727214417
Gebunden, 343 Seiten, 44 EUR

Klappentext

1515 erlitt die Schweiz in Marignano bei Mailand die wohl bitterste Niederlage ihrer Geschichte. Hatten die Eidgenossen zuvor als geradezu unschlagbar gegolten, waren sie zum ersten Mal bezwungen worden. Das war so ausserordentlich, dass Franz I., der junge König Frankreichs, dem dieses Kunststück geglückt war, sogleich eine Münze prägen ließ, auf der er sich als 'erster Sieger über die Schweizer' verewigte. Nachdem die Schweizer gut hundert Jahre lang fast jede Schlacht gewonnen hatten, wurde aus einer halben Großmacht innert zweier Tage ein Land, in dem fast jede Familie um einen Toten trauerte. Schätzungsweise 14 000 junge Männer starben in der Ebene vor Mailand, die Hälfte davon Schweizer. Seither hat sich die Schweiz aus jeder Großmachtpolitik zurückgezogen. Aus Sachzwang? Vielleicht. Aus Einsicht? Kaum. Zum Glück? Auf jeden Fall. Zwar blieb die Schweiz in Europa, aber nicht als Macht, die andere prägte oder mit Krieg überzog, sondern als ein Kleinstaat, vielleicht als der erste überhaupt. Im September vor 500 Jahren wurde in Marignano mehr entschieden als eine Schlacht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2015

Paul Widmer ist begeistert: Endlich mal wieder eine packende historische Abhandlung, die sich aus dem Seminarraum hinauswagt und zudem noch hervorragend geschrieben und argumentiert ist. Mit der Schlacht bei Marignano im Jahr 1515 isoliere der Autor das vielleicht zentralste, aber definitiv eines der interessantesten Ereignisse in der Geschichte der Eidgenossenschaft, so der vollends überzeugte Rezensent: Mit dieser Schlacht ließen sich die durch frühere Erfolge in der Behauptung gegenüber dem Adel selbstbewusst gewordenen Bauern und Städter letztmals zu einem offensiven Abenteuer hinreißen, für das sie mit einer schweren Niederlage büßten, wie der Kritiker in einem ausführlichen Abriss der Ereignisse darstellt: Nun "wurde außenpolitische Zurückhaltung zu einer Überlebensfrage." In den folgenden Debatten einigte sich die Eidgenossenschaft intern nicht nur darauf, dass das politische Gemeininteresse künftig über konfessionellen Partikularinteressen stehe, sondern auch auf einen außenpolitisch zurückhaltenden Weg: Die lange Geschichte der Schweizer Neutralität - und damit ein zentraler Aspekt des Schweizer Sonderfalls - finde in der Niederlage von Marignano ihren Ursprung.

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