Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.01.2005
Eigentlich kann es gar keinen besseren Interpreten der Bilder Edward Hoppers geben, als den Lyriker Mark Strand, lobt Richard Kämmerlings. Schon früh hat man in ihm ein literarisches Pendant zu Hoppers Malerei gesehen, denn wie Hopper versucht Strand mit einfachen formalen Mitteln, beiläufige Szenen wie Provinzskizzen oder Naturbeschreibungen in tranzendente Momente zu verwandeln. Entsprechend gelungen findet Kämmerlings die kurzen Texte, mit denen der Lyriker die Gemälde seines Maler-Alter-Egos ergründet. Als "Geistesverwandter" Hoppers kann es sich Strand nämlich erlauben, selbst sehr bekannte Bilder neu zu beschreiben, da man ihm die Ehrfurcht vor dem letztlich Unergründlichen im Banalen abnimmt. Hinzu kommt, dass er selbst tot-interpretierte Bilder wie "Nighthawks" in neuem Licht erscheinen lassen kann, indem er den Betrachter als Teil des Bildes beschreibt. Auch Strands Polemik gegenüber denjenigen Hopper-Werken, die "zuviel erzählen" wollen, akzeptiert Kämmerlings kritiklos.
Die Rezensentin Brigitte Werneburg ist richtig angetan von diesem kleinen Band, in denen der amerikanische Dichter Mark Strand seine Beobachtungen über Bilder von Edward Hopper mitteilt. Ihr gefällt Strands lakonischer Stil, der ihrer Meinung nach widerspiegelt, wie auch Hopper seine Bilder komponierte. Auch Strands Fähigkeit, "dem Betrachter und Leser die Bildstrategien Hoppers bewusst zu machen" beeindruckt die Rezensentin - selbst wenn sie das Gefühl hat, dadurch indirekt zu ein paar unbeabsichtigten Interpretationen verleitet worden zu sein. Doch das soll nicht weiter stören: "Diese Garantie kann für das feine, kleine und kluge Buch abgegeben werden: Es vermag seine Leser jederzeit auf neue Gedanken bringen und sie überraschende Sichtweisen entdecken lassen." Anlass für die deutsche Veröffentlichung des 2001 im Original erschienenen Buches in die derzeit in Köln stattfindende Edward Hopper-Retrospektive.
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