Aus dem Italienischen von Annette Kopetzki. Domenica Orlando, genannt Mimi, ist vierzehn, als sie ihr Dorf im süditalienischen Apulien verlassen muss, um mit den Eltern in die Schweiz zu gehen. Ihr Vater hat dort Arbeit in einer Fabrik gefunden: das Versprechen auf Reichtum für Tausende von Emigranten in den 1970er Jahren. Mimi erlebt im Norden ihre erste Liebe, zum 18-jährigen Ippazio, doch in der kargen Unterkunft, die sie mit vielen Landsleuten teilen müssen, bleiben den beiden nur kleine, verstohlene Streichholz-Momente des Glücks. Jahre später, die Familie lebt längst wieder in Apulien, ist aus Mimi eine selbstbewusste Frau geworden, die immer noch jung ist, ihre halbwüchsige Tochter allein erzieht und in einer Krawattenfabrik arbeitet. Mit verblüffender innerer Freiheit und Konsequenz lebt sie ihr - nicht nur für süditalienische Gewohnheiten - unangepasstes Leben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.12.2012
Eternit, schlimme Sache das, meint Rezensent Niklas Bender. Die Geschichte um das Mädchen Mimi, ihre Liebschaften und ihren Einsatz für die wenigen Arbeitsplätze im Mezzogiorno, erzählt vor dem Hintergrund der skandalösen Vorgänge in den Schweizer Eternitminen, rührt ihn jedoch nicht derart zu Tränen, wie der Autor das offenbar gerne hätte. Jedenfalls drückt Mario Desiati mächtig auf die Tränendrüse, wie uns Bender zu verstehen gibt, berichtet vom Sterben der Eternitarbeiter und rutscht, so sieht es aus, wann immer sich zwei Menschen begegnen, ab in den Kitsch. Zu "klinexlastig" für Bender. Eine nüchterne Sicht, meint er, hätte dem Thema gut gestanden. Arbeitergeschichten hält der Rezensent allerdings für richtig stark.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2012
Rezensentin Maike Albath hätte einen guten Roman über die italienischen Arbeitsmigranten, die sich im wahrsten Worte in den siebziger Jahren in Schweizer Asbestfabriken zu Tode schufteten, sehr interessant gefunden. Aber leider, daraus macht Albath keinen Hehl, ist "Zementfasern" von Mario Desiati nicht dieser gute Roman geworden. Für eine Familiengeschichte, die sich über zwanzig Jahre erstreckt, fehlen dem Autor in Albaths Augen einfach die erzählerischen Mittel: Weder trägt die schablonenhafte Hauptfigur (schön, mutig, unabhängig, sinnlich!) die Geschichte noch Desiatis Sprache, mitunter erkennt Albath hier auf puren Kitsch. Darüber helfen ihr auch nicht die mitunter noch recht schönen Passagen in der ersten Romanhälfte hinweg.
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