Maria S. Rerrich

Die ganze Welt zu Hause

Cosmobile Putzfrauen in privaten Haushalten
Cover: Die ganze Welt zu Hause
Hamburger Edition, Hamburg 2006
ISBN 9783936096675
Gebunden, 167 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Heute putzen Frauen aus aller Welt Wohnungen in Deutschland, und in diesen privaten Haushalten treffen qualitativ sehr unterschiedliche Bedarfslagen aufeinander. Einerseits verlassen zahlreiche ausländische Frauen ihre Heimat, um in Deutschland Geld zu verdienen, wo sie auch bei guter Qualifikation oft nur im Haushalt Verdienstmöglichkeiten finden. Andererseits wird ihr Arbeitseinsatz gerade dort rege nachgefragt, weil hierzulande andere Ressourcen zur Verrichtung von Haus- und Familienarbeit in letzter Zeit knapper geworden sind. Der Haushalt gilt noch immer weitgehend als Zuständigkeitsbereich und Betätigungsfeld von Frauen. Das verbindet Frauen trotz aller Differenzierungen, ob als Putzfrauen, Hausfrauen oder berufstätige Managerinnen des Alltags, ob als Mütter und Großmütter kleiner Kinder oder Töchter und Schwiegertöchter alter Eltern, ob bezahlt oder unbezahlt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2006

Bettina Engels bekennt in ihrer Rezension der Studie über "cosmobile Putzfrauen" gleich eingangs ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema, da auch sie schon mal eine polnische Putzfrau beschäftigte. Für die daraus erwachsenen Diskussionen auf Politik- und Beziehungsebene empfiehlt die Rezensentin das Buch der Soziologin Maria S. Rerrich, die darin über die Tausenden von ausländischen Frauen schreibt, die in Deutschland, zumeist illegal und damit rechtlos, die anfallende Alltagsarbeit verrichten. Deutlich wird für die Rezensentin: Putzen, auch wenn dafür fremde Hilfe in Anspruch genommen wird, ist immer noch reine Frauenarbeit. Die Autorin macht sich in ihrer Studie für eine gerechtere Arbeitsteilung zwischen Männern und Frauen stark und plädiert zudem für einen besseren Schutz der Putzhilfen in Privathaushalten, wie Engels zustimmend berichtet.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.10.2006

Johan Schloemann stellt fest, dass Maria S. Rerrich mit ihrem Buch über Frauen aus aller Welt, die in privaten deutschen Haushalten putzen, dort genau hinsieht, wo man gemeinhin gern die Augen abwendet. Der Rezensent räumt ein, dass die "Betroffenheit", die die Fallschilderungen hervorruft, nur allzu schnell abstumpft. Die Autorin untersucht in ihrem zugleich "Feldstudie und Appell" darstellenden Buch die Bedingungen, unter denen Frauen in Privathaushalten putzen und kommt zu dem Schluss, dass die großen Versprechungen des 20. Jahrhunderts, die Befreiung des Menschen von körperlicher Arbeit und die gerechte Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau, gleichermaßen gescheitert sind, erklärt der Rezensent. Denn die Putzhilfen sind fast ausnahmslos Frauen aus den verschiedensten Ländern, die zumeist 'schwarz' beschäftigt werden und die den arbeitenden Frauen hierzulande die ihnen nach wie vor allein zugedachte Arbeit abnehmen, entnimmt Schloemann der Lektüre. Ebenfalls erschüttert hat ihn die Tatsache, dass die in Deutschland putzenden Frauen nicht selten in ihren Heimatländern durchaus eine gute Ausbildung genossen haben und sich dennoch nicht zu fein für eine Arbeit sind, die von einheimischen Arbeitslosen häufig als entwürdigend empfunden wird.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.10.2006

Wichtig und aufschlussreich sei diese Studie von illegalen ausländischen Haushaltshilfen in Deutschland, lobt Barbara Dribbusch. Von Maria S. Rerrichs "ethnografischer Feldforschung" hat sie einiges gelernt, über die oft hohe Ausbildung der weiblichen Entrepeneure, ihre Erfahrungen, ihre beengten Lebensumstände und ihre Einsamkeit. "Einfühlsam" beschreibe die Autorin die prekäre Situation der Illegalen, die immer zahlreicher werden und trotzdem keine Vertretungen in Politik oder Gewerkschaften haben und vom gesellschaftlichen Leben in Deutschland ausgeschlossen sind. Erstaunt hat die Rezensentin zudem das Ausmaß der globalen Vernetzung, die sich in diesem Mikrokosmos offenbart. Denn oft stellen die hiesigen Putzfrauen wieder Arbeitskräfte in ihren Heimatländern ein, die sich um die zurückgelassenen Kinder oder Eltern kümmern.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 28.09.2006

Als verdienstvoll würdigt Rezensentin Elisabeth von Thadden die Studie "Die ganze Welt zu Hause", die die Sozialwissenschaftlerin Maria S. Rerrich vorgelegt hat. Die Autorin nämlich lenkt den Blick auf einen bisher weitgehend unterbelichteten Aspekt der Globalisierung: die weltumspannende Migration zahlloser, oft gut ausgebildeter Frauen, die in den reichen Ländern zu hart arbeitenden Putzfrauen, Krankenschwestern und Pflegerinnen werden, damit ihre Arbeitgeberinnen berufstätig sein können. Gerade im Blick auf die dünne Forschungslage scheint Thadden vorliegende Arbeit über die Situation dieser Putzfrauen und Dienstmädchen in Deutschland überaus wichtig. Sie bescheinigt Rerrich, einen instruktiven, von Respekt und Verständnis getragenen Einblick in die meist prekären Lebensverhältnisse dieser Frauen zu geben, die sich oft in rechtlichen Grauzonen bewegen, denen es aber auch gelingt, neue soziale Netzwerke weiblicher Solidarität schaffen.

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