Marcus Braun

Armor

Roman
Cover: Armor
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2007
ISBN 9783518419151
Gebunden, 187 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Sie sind jung, verliebt und unterwegs ans Meer, Kate und Fabien, Fabien und Kate, sie drehen das Autoradio lauter, stemmen die Füße gegen die Armaturen und schließen beim Fahren die Augen. So fangen sommerliche Roadmovies an, manchmal auch abgründige Psychodramen, "Armor" ist beides auf einmal und einer der seltenen deutschsprachigen Romane, die das Schwerelose und Komische zur literarischen Tugend erheben. Vielleicht, weil so vieles an ihm französisch ist: die Figuren, die Atlantikküste und diese elegante Art, fatale Verwicklungen als Spiel von Anziehung und Abstoßung zu inszenieren. Was eben so passiert, wenn eine Handvoll Menschen an einem entlegenen Ort aufeinandertrifft: Kate und Fabien, arrogant in ihrer Unschuld, die schöne Isabelle und ihr undurchschaubarer Mann Jacques, außerdem das Mädchen Marie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2007

Christoph Schröder will eigentlich nichts Böses sagen über diesen Roman, den vierten von Marcus Braun. Also sagt er, dass die Geschichte die hier erzählt wird, sowohl das "komische Talent" des Autors verrate wie auch seine Fähigkeit, die "unterschiedlichsten Stillagen" auf engem Raum durchaus überzeugend zu versammeln. Überschaubar ist das Personal: Fabien und Kate (ein junges Paar) sowie Isabell und ihr Ehemann Jacques. Man begegnet einander durch Zufall, man ist versammelt im "Land am Meer" (so die deutsche Übersetzung des keltischen Titels "ar mor") und im Spiel sind Sex und Begierde und das Meer und vor allem das "Irgendwie". Im Vagen nämlich bleibt vieles, so Schröder, zu vieles vielleicht, und überdies bleibe die Tonlage auch "komplett cool". Der Rezensent will gar nicht abstreiten, dass der Autor die Vagheit will, die er bietet, und auch nicht, dass er das kann, was er will. Als "Versuchsanordnung" sei der Roman darum durchaus gelungen, aber gerade aufregend oder unvergesslich sei er nicht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.08.2007

Als "recht konventionelle Erzählung über die postpubertären Verwirrungen eines Zivildienstleistenden" beschreibt Rezensentin Wiebke Porombka das neue Buch von Marcus Braun. Und obwohl ihr Brauns Sprachartistik auch diesmal großen Eindruck macht, ist sie nicht recht zufrieden mit dieser Geschichte von Fabien und Kate, deren Ferien an der bretonischen Küste eine unerwartete Wendung nehmen. Von Anfang an lege Braun eine ungute, ja unheimliche Atmosphäre über das Geschehen, das die Rezensentin deutlich an David Lynch erinnert. Überhaupt sei die Geschichte von Kinozitaten durchsetzt, was auf Porombska aber zunehmend einen aufgesetzten Eindruck macht. Auch stört sie, dass Braun nicht nur seine Figuren, sondern auch den Leser immer mehr im Gestrüpp unübersichtlicher Suspenseversuche herumirren lässt. Am Ende hat sie das Interesse an der Geschichte verloren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.08.2007

Anerkennend betrachtet Martin Krumbholz dieses Buch von Marcus Braun. Er attestiert dem Roman um ein Pärchen, dass in der Bretagne infolge eines Steinschlags ihren Alfa Romeo verlieren und so an den Architekten Jacques, dessen junge Frau Isabelle und die noch jüngere Marie geraten, eine gediegene Konstruktion und einen präzisen filmischen Blick. Überhaupt scheint ihm der Autor einer vom Kino geprägten Ästhetik zu folgen, nicht nur in den Dialogen, sondern auch in der von Sprüngen geprägten Erzählweise. Thematisch kreist das Buch seines Erachtens weniger um die Liebe als um die Bedrohung derselben durch Begehren und Eifersucht. Er sieht hier die Logik des film noir am Werk. Alles, was passieren könnte, unterstreicht er, wird von den Figuren variantenreich in der Phantasie durchgespielt. Besonders gefallen haben Krumbholz die subtilen Wahrnehmungen und Beschreibungen, die trotz ihrer Genauigkeit alles in der Schwebe belassen. Auch wenn er sich bei der Lektüre an den nouvau roman erinnert fühlt, hebt er hervor, dass Brauns Werk vom Objektivismus dieser Richtung weit entfernt ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2007

Ungehalten hat Rezensent Burkhard Müller dieses Buch wieder zugeklappt, das aus seiner Sicht nur von außen aussieht wie ein Roman. Zwischen den Buchdeckeln befindet sich seiner Beschreibung zufolge jedoch viel heiße Luft, die strafverschärfend noch nicht mal besonders wohlriechend ist. Das bringt dem Autor dann auch den Vorwurf grober Geschmacksunsicherheit ein. Aber nicht nur wegen schlechter Witze möchte Müller Braun weder im Leben noch in der Literatur begegnen. Auch die Neigung, jede Banalität für bedeutungsvoll zu erklären, macht Marcus Braun mit seiner unübersichtlichen Vierecks-Beziehungsgeschichte beim Rezensenten ausgesprochen unbeliebt. Nicht nur, weil für Müller der Handlungsverlauf als solcher nicht so recht schlüssig scheint, sondern auch, weil ihn Brauns Stil mit einer Art "geistesabwesender" und inhaltsleerer "Coolness" nervt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.07.2007

Rezensent Martin Lüdke arbeitet noch ein wenig an den paradoxen Gefühlen, mit denen ihn die Lektüre dieses psychologisch nicht unbedingt schlüssigen, aber trotzdem atmosphärisch dichten Romans konfrontiert. Einerseits stört Lüdke die Oberflächlichkeit und die Erfahrungsarmut, die Marcus Braun hier vermittelt. Der Rezensent urteilt knapp: "Glatte, sinnlose Sätze." Bei Brauns Verbindung der "üblichen Leiden aus der Beziehungskiste mit seiner lang gepflegten Leidenschaft für bizarre Einfälle" kommt zwar etwas Thrillerhaftes zustande. Doch die Spannung, die der Autor recht erfolgreich erzeugt, bringt den Roman nicht wirklich voran. Andererseits findet der Rezensent das Buch, obwohl es ihn "gleichgültig" zurücklässt, dennoch "schön, so schön wie der Wind und die Wellen am Meer." Es sind seinem Empfinden nach eben "Filmbilder, zwischen Thriller und Idylle, eine Welt aus Fertigteilen montiert."
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