Marcel Senn, Bruno Staffelbach (Hg.)

Ökonomik im Mittelalter

Eine Zeitreise mit modernen mikroökonomischen Theorien
Cover: Ökonomik im Mittelalter
Chronos Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783034005562
Gebunden, 139 Seiten, 25,90 EUR

Klappentext

Lassen sich betriebswirtschaftliche Probleme in früheren Zeiten ­ zum Beispiel der Bau der ägyptischen Pyramiden, der Handel auf der Seidenstraße, die Produktion venezianischer Handelsschiffe oder die Führung militärischer Feldzüge ­ mit betriebswirtschaftlichen Theorien und Konzepten unserer heutigen Zeit analysieren? Sind die modernen, (mikro-) ökonomischen Theorien, welche für die aktuelle Betriebswirtschaftslehre von grundlegender Bedeutung sind, wissenschaftliche Errungenschaften, die wirtschaftliche Phänomene und Entwicklungen unabhängig von Raum und Zeit erklären? Oder sind die ökonomischen Theorien Errungenschaften unserer heutigen Zeit und damit Kulturprodukte, die sich nicht ohne weiteres in andere Zeit- und Kulturräume transferieren lassen? In der vorliegenden Publikation wird vom Versuch berichtet, ausgewählte ökonomische Theorien zur Erklärung von spezifischen Entwicklungen und Ereignissen im Spätmittelalter zu nutzen. "Zeitreise" bedeutet in diesem Zusammenhang, aktuelle Theorien in historische Verhältnisse zu transferieren.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.06.2003

Lassen sich Modelle und Theorien der modernen Betriebswirtschaftslehre (BWL) aus ihrem Kontext lösen und in eine andere Welt übertragen? Diese Frage versuchen die Autoren des Bandes "Ökonomik im Mittelalter", BWL-Doktoranden der Universität Zürich, mit Hilfe von "Zeitreisen" ins Mittelalter zu klären. Die Ergebnisse des Gedankenexperiments sind dem "ai." zeichnenden Rezensent zufolge recht unterschiedlich ausgefallen. So zeigte sich beim Versuch, die Herrschaft Rudolf Bruns in Zürich (1336-1360) mit Hilfe der Neuen Institutionen-Ökonomik zu erklären, dass das moderne Konzept nur beschränkt auf das Zunftregiment einer mittelalterlichen Stadt übertragbar ist, berichtet der Rezensent. Mehr Erfolg war dagegen dem Experiment beschieden, das Söldnerwesen der frühen Neuzeit mit Hilfe der neoklassischen Arbeitsmarkttheorie zu erklären: "dank der Einfachheit und Allgemeingültigkeit des Konzepts war es möglich", referiert der Rezensent, "zahlreiche Phänomene dieses spezifischen Marktes angemessen zu analysieren."