Aus dem Englischen von Katharina Böhmer. Eigentlich sollte es die lang ersehnte Reise in den fernen Osten werden: mit dem Motorrad nach Indien. Doch schon unweit seiner Heimat bleibt der Held aus Magnus Mills' neuem Roman hängen - auf einem Campingplatz im Nordosten Englands, malerisch an einem See gelegen, fernab jeglichen Weltgeschehens. Die Abreise verzögert sich, der Herbst bricht herein, der namenlose Camper bleibt als letzter Gast zurück. Mr. Parker, der Platzbesitzer, bietet ihm an, gegen kleinere Aushilfsarbeiten noch ein paar Tage kostenlos zu bleiben...
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.07.2002
Michael Schmitt ist ziemlich angetan von diesem Roman, der ihm "ebenso rätselhaft wie komisch" erscheint. Er findet, dass das Buch, in dem ein Urlauber auf einem Campingplatz hängenbleibt und dort plötzlich in ein seltsames Knechtschafts-Verhältnis gerät, hervorragend vorführt, was passiert, wenn sich ein Mensch einer "fremden Logik" unterwirft und sein Eigenleben aufgibt. Die Pointe, auf die der Roman zusteuert, will er natürlich nicht verraten, aber er verspricht, dass sie "schlicht" und damit "besonders infam" ausfällt. Damit werden auch die "Längen" aufgewogen, die das Buch dort aufweise, an denen der englische Autor seine "Romanmaschine" allzu leicht vorhersehbar laufen lässt, so der Rezensent insgesamt recht zufrieden.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 21.03.2002
"Warten auf Godot" - das ist laut Rezensent Kolja Mensing die treffendste Bezeichnung für den Gemütszustand von Magnus Mills Protagonisten in seinem zweitem Roman "Indien kann warten". Nüchtern und bündig erzählt der Autor, wie sein Held unfreiwillig von Job zu Job stolpert und sich doch aus seiner Fron nie befreien kann. Dabei hatte er den Rucksack für Indien schon gepackt. Wie bei der "Aufführung eines absurden Theaterstücks" hat der Leser einfach keine andere Wahl, als "lauthals" über diese skurrile Story zu "lachen", so Kolja Mensing weiter. Der Autor, der selbst einen beruflichen Bilderbuchaufstieg gemacht hat, beschäftigt sich auch in diesem Werk mit der "horizontalen Beschränkung" von Menschen, die sich nicht aus den Fängen ihrer Situation lösen können, meint der Rezensent. Und wer könnte ein solches Schlamassel besser und authentischer schildern als der preisgekrönter Schriftsteller und ehemalige Busfahrer Magnus Mills.
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