Madison Smartt Bell

Die Farbe der Nacht

Roman
Cover: Die Farbe der Nacht
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2013
ISBN 9783954380053
Gebunden, 224 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann. Tagsüber arbeitet Mae als Croupière in einem Casino in Nevada, nachts streift sie allein durch die Wüste. Als sie im Fernsehen einen Bericht über den Anschlag auf das World Trade Center sieht, werden alte Erinnerungen wach. Die Kamera fängt das Bild einer Frau ein, die verletzt auf dem Bürgersteig kniet. Blut läuft ihr aus den Mundwinkeln, wie damals, als Mae sie das letzte Mal sah, doch nicht aus denselben Gründen. Dreißig Jahre zuvor waren Mae und Laurel Teil einer Hippie-Kommune, die grausame Morde begeht. Als die Kommune von der Polizei ausgehoben wird, können Mae und Laurel als Einzige fliehen. Beide gehen mit falscher Identität in den Untergrund, ihre Wege trennen sich ... bis die Schatten der Vergangenheit sie einholen. Nach dem Einsturz der Zwillingstürme packt Mae ihr Gewehr und macht sich auf den Weg nach New York. Niemand kann seinem Schicksal entkommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.04.2013

Offenbar sehr beeindruckt hat Sylvia Staude dieser verstörende Roman von Madison Smartt Bell, der die Ereignisse vom 11. September mit denen der mörderischen Hippiekommune des Charles Manson verbindet. Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine so zerstörte wie gestörte Frau, die seelisch und körperlich missbraucht in der Manson Family aufging und zusammen mit ihrer Freundin für Helter Skelter mordete. Bell erzähle die Geschichte lakonisch und nüchtern, meint Staude und vergleicht den Roman mit "dünnem Eis über tiefem Wasser".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.02.2013

Madison Smartt Bell würde mit seinem Buch gerne an die finsteren Figuren von Cormac McCarthy oder Donald Ray Pollock anschließen, an die Psychopathen, die vor fatalistischem Endzeithintergrund ans Morden gehen, berichtet Alexander Müller. Aus verschiedenen Gründen gelingt ihm das nicht, findet der Rezensent. Bells Protagonistin Mae wurde vom Leben derart in die Mangel genommen, dass ihr verquerer Charakter eine "vorhersehbare und eindimensionale Kontinuität der Gewalt und des Nihilismus" bleibt, beschreibt der Rezensent, und die möglichst plastische Beschreibung von Brutalität wird durch die einbrechende poetische Überhöhung wieder vom Leser weggerissen. Das wichtigste für diese Art von Literatur ist, dass der Bezug zu den Personen erhalten bleibt, damit einen deren blutiges Ende nicht kalt lässt, erklärt Müller, sonst funktioniert das Genre nicht.