Lydia Davis

Fast keine Erinnerung

Stories
Cover: Fast keine Erinnerung
Droschl Verlag, Graz 2008
ISBN 9783854207351
Gebunden, 182 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Klaus Hoffer. Ob konventionellere und klassische Sujets - eine Reise durch Russland in den Kaukasus, ein karger Winter in äußerster Mittellosigkeit in einem südfranzösischen Bauernhaus, Träume vom idealen Cowboy-Mann, ein Nachmittag, umringt von Familien im Park - oder Gedankenspiele am Rand zum Sprachspiel, Davis untersucht ihre Geschichten und Themen sowohl in erzählerischer als auch in essayistischer Form; Erzählen und Denken sind zwei Seiten derselben Bewegung. Beim Lesen wähnt man sich dadurch in den sicheren Händen einer skrupulösen Schriftstellerin, die ihr Feld mit größter Sorgfalt beackert. Ihr Feld: das sind die Abenteuer des Alltags und der Gewöhnlichkeit, Träume, Vermutungen und Phantasien, Beziehungs- und Benennungsschwierigkeiten, allesamt unter so merkwürdigem Blickwinkel neu betrachtet, dass das Lesevergnügen von Geschichte zu Geschichte noch größer wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2008

Erfreut zeigt sich Rezensentin Verena Lueken darüber, dass mit "Fast keine Erinnerung" nun erstmals ein Erzählband von Lydia Davis in deutscher Übersetzung vorliegt. Die Geschichten der in den USA hochgelobten Autorin sind in ihren Augen etwas ganz Besonderes. Sie bescheinigt Davis, oft in aller Kürze, etwa auf einer halben Buchseite, das Wesentliche zu sagen, z.B. zur Liebe zum Beispiel, zum Verhältnis von Herr und Hund, zur Frage der zweiten Chance oder zur Freundlichkeit. Neben der Kürze zeichnen sich die Erzählungen für Lueken durch ihre Klugheit aus, ohne jemals abgeklärt oder ältlich zu sein. Sie schätzt die genaue Beobachtung der Autorin und ihre haarfeinen Analysen und beschreibt ihre Geschichten als "sprachphilosophisch grundiert", aber "offen zur Welt", als spielerisch, unerwartet, humorvoll und manchmal auch kühl distanziert. Zufrieden ist sie mit Klaus Hoffers Übersetzung, die sie "angemessen lakonisch und auf trockene Weise stilsicher" findet. Bleibt für sie zu hoffen, dass bald weitere Bücher von Davis auf Deutsch erscheinen werden.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2008

Mit viel Lob versieht Rezensentin Angela Schader den 1997 im Original erschienenen Erzählband der 1947 geborenen Amerikanerin, mit dem diese den Informationen der Rezensentin zufolge in Deutschland zum ersten Mal vorgestellt wird. Schader schätzt die Texte des Bandes nicht nur ihrer ebenso "messerscharfen" wie "sparsamen" Prosa wegen, sondern auch, weil Lydia Davis aus Sicht der Rezensentin darin moralische Konzepte gründlich "häckselt und püriert" - und zwar mit "beißendem Witz". Doch auch die Gattung "Erzählung" selbst löst sich in diesen Texten, wie Schader schreibt, mitunter in Nichts auf, was sie dem Einfluss der französischen Moderne zuschreibt, mit der Lydia Davis als Übersetzerin von Leiris, Proust oder Butor intensiv zutun gehabt habe. Zwar kippen manche Erzählungen zum Bedauern der Rezensentin mitunter in l'art pour l'art. Doch dieses kleine Manko wiegen die "Bravoustrücke" des Bandes für sie locker auf.
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