Kaum eine Epoche ist in der europäischen Erinnerungskultur so präsent wie die Zeit zwischen 1914 und 1945. Millionen Europäer kamen in dieser Zeit ums Leben, in den Schlachten der Weltkriege, im Holocaust, im Bombenhagel an den Heimatfronten, bei Hungersnöten und Epidemien sowie bei ethnischen Säuberungen und in Bürgerkriegen. Eingegraben haben sich auch die Erinnerungen an wirtschaftliche Turbulenzen, materielle Not und scharfe gesellschaftliche Konflikte. Gleichzeitig brachte das Zeitalter der Weltkriege ungeahnte wissenschaftliche Durchbrüche, aufregende kulturelle Experimente und eine seitdem unerreichte intellektuelle Intensität. Lutz Raphael zeigt, wie Europa in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Labor der Moderne wurde. Erst das Zeitalter der Weltkriege schuf jenes Europa homogener Nationalstaaten, das trotz der Globalisierung des 21. Jahrhunderts bis in unsere Gegenwart hinein prägend wirkt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.04.2012
Horst Möller lobt die Bündelung komplexer Grundprobleme und die klugen essayistischen Interpretationen langfristiger Entwicklungen in dieser Studie des Historikers Lutz Raphael. Vor allem die zeitliche Orientierung (Beginn vor dem Ersten Weltkrieg) und die eigene Gewichtung (als einen Schwerpunkt nennt Möller die Typologie autoritärer Herrschaftsformen) innerhalb bereits bekannter Themenkomplexe haben ihn überzeugt. Die eine oder andere Verallgemeinerung verzeiht er dem Autor, der deduktiv vorgehend regionale Differenzen durchaus berücksichtigt, wie Möller erläutert. In der konsequent durchgehaltenen europäischen Perspektive sieht Möller den Vorteil der vorurteilslosen Vergleichbarkeit kommunistischer, faschistischer und nationalsozialistischer Diktaturen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2011
Als Erkenntnisgewinne aus vorliegendem Band referiert der Politologe und PR-Chef des Metro-Konzerns Thomas Speckmann, dass sich Europas Geschichte seit der Französischen Revolution "vor einem Horizont offener Zukunftsmöglichkeiten" bewegte und dass die Jahrzehnte seit 1880 "als unmittelbare Vorgeschichte der Weltkriegsepoche erscheinen". Hm, das klingt ja grundstürzend, denkt man, und Speckmann fährt fort: In allen Regionen Europas hat es in dieser Zeit die "gleichen Basisprozesse der Modernisierung" gegeben. Als grundlegende Tendenzen mache Raphael außerdem noch einen "Zusammenstoß zweier politischer Ordnungsmodelle", nämlich Nation und Imperium aus. Speckmann findet das alles sehr anregend, obwohl er gleich zu Beginn seiner Rezension konstatierte, dass über diese Epoche der europäischen Geschichte alles in allem schon recht viel geschrieben worden sei.
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