In der Familie kursieren wunderliche Geschichten: Großvater war für die Olympischen Spiele 1936 nominiert. Er hat Tito gejagt. Und war mit Widerständlern befreundet. Im Institut für Zeitgeschichte stößt die Juristin Dagmar Knigge auf ein Foto, das ihren Opa beim Handschlag mit Hitler zeigt. Nun will sie es genau wissen: Wer war Hans-Joachim Knigge? Hat er für die SS gemordet? Vier Jahre wertet sie Akten aus Deutschland, Moskau, Washington und Riga aus. Das Ergebnis bleibt ambivalent: ein Puzzle aus widersprüchlichen Indizien, Vertuschung und einer privaten Tragödie. Dagmar Knigge blickt mit juristischem Scharfsinn auf die familiären Erzählungen und reflektiert über Schuld, Verantwortung und Radikalisierung. Ihr in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Lutz Kinkel entstandenes Buch ist Biografie, Zeitgeschichte und Selbstbefragung zugleich.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.05.2026
Zufällig findet die Juristin Dagmar Knigge ein Foto, auf dem ihr Großvater Hitler die Hand schüttelt und macht sich auf die Suche nach seiner Geschichte und der ihrer Familie im Dritten Reich, erklärt Rezensent Alexander Moritz die Entstehungsgeschichte dieses Buches, das Knigge gemeinsam mit Co-Autor Lutz Kinkel geschrieben hat. Über 60.000 Seiten Quellenmaterial hat sie studiert, um zu zeigen, dass ihr Großvater erfolgreicher Leichtathlet war, dem Nationalsozialismus zunächst skeptisch gegenüberstand, dann aber schnell mitmachte, Täter in einer der brutalen "Einsatzgruppen" wurde und in Briefen nach Hause von schönen Ausflügen berichtete, so Moritz. Interessant ist für ihn besonders, dass sie auch das Leben ihrer Großmutter parallel beleuchtet, die nach dem Krieg psychisch stark angeschlagen war und dass das Buch Tipps gibt zur eigenen Recherche. Ein gelungener Band, der zum Nachdenken und Reflektieren über die eigene Familiengeschichte anregt, lobt der Kritiker.
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