Die Malerin und Autorin Lisa Kränzler ersinnt nach dem Gemälde "Das Paradiesgärtlein" des Oberrheinischen Meisters von 1410/1420 ein Kunstmärchen. Dieses widmet sich dem bislang "nicht näher bestimmbaren Insekt" oben links im Bild. Kränzler macht aus ihm Mariens firmamentblauen Käfer, den Marienkäfer, und fabuliert, wie er zu seinem roten Kleid mit schwarzen Punkten kam. Wir lernen zunächst einen fleißigen Krabbler kennen, der sich im Gärtlein um die Blumen kümmert. Rosenduft und die Liebe der Jungfrau Maria: Mehr scheint er nicht zu verlangen. Insgeheim jedoch plagen ihn Zweifel und seine Sehnsucht nach "Anders wie und Anderswo" treibt ihn eines Tages hinaus aus dem Paradies und in die Arme eines gerissenen Spitzbuben. Wie der Maler des Gemäldes, der die Darstellung eines geschlossenen Lustgartens im Weichen Stil mit realistischer Naturbeobachtung verbindet, verknüpft Lisa Kränzler ihre Abenteuergeschichte mit Fakten, Analysen und Selbstbeobachtung. Und so wird das Kunstmärchen zur Wirklichkeit.
Faszinierend ist dieses Buch in jedem Fall, findet Rezensent Ismael Berrazouane, auch wenn Lisa Kränzler sich gelegentlich in bloßen Spielereien verliert. Zwei Teile hat diese Veröffentlichung, beschreibt Berrazouane, die erste ist ein Kunstmärchen um einen Käfer im Paradiesgärtlein, der Sehnsucht nach Freiheit hat und im Folgenden zum Marienkäfer wird. Der zweite und längere Teil ist ein Glossar, das ganz unterschiedliche Textformen umfasst, wie der Rezensent ausführt: manche Passagen scheinen mit dem Leben der Autorin in Bezug zu stehen, andere verbleiben in der allerdings nun verfremdeten Welt des Märchens. Daneben gibt es Ausflüge in Wissensbereiche wie Philosophie und Kunstgeschichte. Das Glossar zeigt laut Berrazouane auf, wie beschränkt die Welt des Märchens ist. So weit so gut, meint der Rezensent, der sich allerdings doch ein bisschen an der bildungsbürgerlichen Schlagseite der Veranstaltung stört - manches ist ihm schlicht zu abstrakt und auch die Kalauer zünden nicht immer. Auf hohem intellektuellen Niveau ist es aber doch, schließt Berrazouane versöhnlich.
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