Herausgegeben von Michael Hagemeister. Aus dem Französischen von Anne Hartmann. Wie kein anderes Land war Russland Schauplatz utopischer Entwürfe. Ihre Ideen- und praktische Geschichte, erstmals umfassend hier vereint, lässt Russland im Kern seiner Kultur sichtbar werden, das vergangene wie das gegenwärtige. Mit Blick auf Umfang und Vielzahl utopischer Entwürfe in der russischen Kultur ist es eine besondere Leistung der Autoren, solch umfangreiches Material in einem relativ schmalen Buch zusammengefasst zu haben. Nicht weniger eindrucksvoll, dass es ihnen gelingt, ebenso Laien wie Spezialisten anzusprechen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.09.2004
Auf den ersten Blick einleuchtend scheint es, meint der Rezensent Gerd Koenen, Russland als "Brutstätte, Projektionsfläche und Experimentierfeld utopischen Denkens" zu betrachten. Bei genauerer Untersuchung jedoch - und eine genaue Untersuchung vom Zaren-Autokratismus bis zu Stalins Totalitarismus leiste dieser Band allerdings - stellen sich jedoch recht grundsätzliche Fragen. So stamme der Begriff der "Utopie" bei Thomas Morus gerade aus einem Säkularisierungskontext - während das Utopische in Russland sich in viel ungebrochenerer Weise auf chiliastische, byzantinisch-christliche Traditionen bezieht. Die Frage, was genau sie unter dem Begriff "Utopie" verstehen, können die Autoren Koenens Meinung nach nicht sehr trennscharf beanworten. Auch in der Deutung des Stalinismus als "Utopie an der Macht" stimmt der Rezensent nicht mit ihnen überein: Er sieht hier vielmehr einen durchweg destruktiven "Utopismus der (totalen) Macht" am Werk. Trotz dieser Nachfragen und kritischen Anmerkungen weiß Koenen die Anstrengung der Autoren freilich zu schätzen und lobt, dass diese "Tour de Force durch den Ideenhorizont Russlands" vielleicht keine Antworten auf die Rätsel des Utopischen in Russland gibt, dieses Rätsel aber immerhin ausführlich darstellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.2004
Standardwerk! - so ruft es aus Kerstin Holms Besprechung der vorliegenden Studie, die sich Russland als Nährboden von Utopien (und Antiutopien) widmet. Angeregt vom ausgiebigen Stöbern in Heller und Niqueux' "enzyklopädischer Fundgrube" erinnert sie daran, wie vor dem "Hintergrund der rauhen Lebensverhältnisse" Gedanken und Ideen beinahe zwangsläufig zu Visionen aufleuchteten und benennt die Quelle der immer wieder erneuerten Inspiration: das Christentum, das "mit seiner liturgischen Schönheit die Produktion von Utopien ankurbelte und noch das Jahrhundertprojekt der Sowjetgesellschaft inspirierte". Die beiden Autoren (ihr Werk wurde für die deutsche Ausgabe noch erweitert) streifen durch Jahrhunderte voller utopischer Motive, und zwar laut Rezensentin mit "imponierender Belesenheit" und abgesichert durch ein dicht geknüpftes Verweisnetz. Dabei offenbarten sie nicht nur Utopismus, sondern auch seine negativen Folgen: Das Joch der absolut gesetzten Idee.
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