Leon de Winter

Malibu

Roman
Cover: Malibu
Diogenes Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783257063479
Gebunden, 416 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Aus dem Niederländischen von Hanni Ehlers. Kurz bevor sie ihren 17. Geburtstag feiern kann, kommt Mirjam bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Ihrem Vater, Joop Koopman, ist es nicht vergönnt, sich seiner Trauer hinzugeben. Sein Freund Philip verwickelt ihn in einen Spionagefall für den israelischen Geheimdienst, seine Cousine Linda in ihre buddhistische Wiedergeburtstheorie.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2003

Jörg Magenau gibt in seiner Rezension eine minutiöse Inhaltsangabe des Romans, in dem eine "persönliche Tragödie" mit einem "Politthriller" verbunden wird. Ein Drehbuchautor verliert bei einem Motorradunfall seine Tochter und wird dann in eine weltpolitische Krisensituation verstrickt, erklärt der Rezensent. Magenau weiß vom Autor zu berichten, dass dieser nach eigenen Angaben mit diesem Buch das "Schlimmstmögliche" vorwegnehmen wollte, um dem Schicksal zuvorzukommen. Er meint, dass de Winter damit einem "intimen Ritual" huldigt, das durch "prophylaktische Verzweiflung" dem Schicksal die Verschonung von der Katastrophe abringen soll. Dies sei zwar als Privatsache in Ordnung, meint Magenau, doch dieser "tränenumflorte" und letztlich auch beschränkte Blick auf die Welt trübe die Sicht. Und so räumt er zwar ein, dass der Roman durchaus "flott geschrieben" ist. Er würdigt den niederländischen Autor als "versierten Handwerker", der gekonnt "Spannung und Sentimentalität" einzusetzen weiß. Die Erkenntnis aber, dass trotz aller Kausalitätshörigkeit, wie sie der Protagonist zeigt, das "Unergründliche" dennoch ins Leben ragt, findet Magenau dann doch ziemlich "banal".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.03.2003

"Wo Megalomanie und Ökonomie so perfekt zur Deckung kommen, ist ein Grad erzählerischer Virtuosität erreicht, der für eine luftige Substanz entschädigt", bringt die Rezensentin Kristina Maidt-Zinke ihre Meinung über Leon de Winters neuen Roman "Malibu" auf den Punkt. Obwohl sie der Handlung nicht viel abgewinnen kann, scheint sie doch beeindruckt von de Winters kühnem Spiel mit schicksalhaften Zusammenhängen, Metaphysik und surrealen Abenteuern. Die Geschichte um den Drehbuchautor Joop Koopmann, der bei einem tragischen Verkehrsunfall seine Tochter verliert, den Fitnesstrainer "Godzilla" kennen lernt und schließlich einen Job als Mossad-Spitzel annimmt, hinterlässt bei Maidt-Zinke dann auch nichts als Verblüffung und zwar anscheinend nicht nur über den Roman, sondern vor allem über die Tatsache, dass auch "literarisches Fastfood" zum Lesegenuss werden kann.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 27.02.2003

Zu einem schweren Fall von Persönlichkeitsspaltung scheint dieser Roman bei Ulrich Greiner geführt zu haben. Unentschieden, ob er zugeben darf, dass er den Roman in einem Zug durchgelesen hat, führt der arme Mann schon Selbstgespräche. Die "Freundin A." in ihm findet den Roman rasant geschrieben, hat begriffen, was Kontingenz bedeutet und findet den Autor wirklich sympathisch (immerhin nicht "süß"). Der Kritiker in ihm hält das Ganze dagegen für einen "gigantischen Bluff". Zum einen, da Leon de Winter gar nicht wirklich schreiben könne, höchstens wie ein Drehbuchautor die Dramaturgie der Szenerie beherrsche, und da all die spektakulären Wendungen, die die Geschichte nimmt, offenbar nur dazu da sind, das Tempo zu halten. Suspekt ist Greiners zerrissenen Seele ebenfalls die Mischung aus Geld, Auschwitz, Sex und Mossad, die ihm "irgendwie antisemitisch" vorkommt. Oder seiner Freundin?
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