Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.10.2000
Daniel Kothenschulte ist amüsiert. Leni Riefenstahl, das Tabu-Thema der letzten Jahrzehnte, kann man jetzt also mit sich herumtragen. Denn der Taschen-Verlag hat für 2001 einen Kalender herausgegeben, der es uns ermöglicht, Leni jede Woche aufs Neue zu betrachten. Streng chronologisch beginnt der Kalender "in bester Fotoqualität" mit Porträts der Filmemacherin aus jungen Jahren, führt dann über diverse Standfotos ihrer Filme wie auch derer Entstehung (wobei auch Hitler nicht fehlen darf) zu Farbaufnahmen ihres Spätwerks über die Nuba und die karibische Unterwasserfauna. Kurz: Leni Riefenstahl feiert eine späte Konjunktur. Verwundert ist der Rezensent allerdings über die neue Art des Umgangs mit der umstrittenen Filmemacherin. Wurde bisher jedes ihrer Werke mit einem erklärend kritischen Kommentar versehen (oder einer Einführung, anders darf beispielsweise ihr NS-Propagandafilm "Triumph des Willens" nicht öffentlich gezeigt werden), scheint Riefenstahl nun für sich selbst stehen zu können. Doch Kothenschulte stellt ironisch fest, dass der Kommentar schon folgen wird: "So platziere man das Diary nur tatsächlich mit der vom Zielpublikum erwarteten, koketten Anti-Correctness-Attitüde auf seinem Schreibtisch. Jede Wette: Er stellt sich ein."
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