In ihrer Dissertation hinterfragt Lena Henningsen die weitverbreiteten Vorurteile der westlichen Medien darüber, dass China - oft "Volksrepublik des Betrugs" genannt - ein Reich des Plagiats sei. Durch die Analyse der Fälle des für Nachahmung verurteilten Guo Jingming, des von Plagiat betroffenen Han Han, der nachfolgenden Veröffentlichungen zu Jiang Rong's Wolf's Totem, der Fälschungen und Fan-Fiktion zu Harry Potter sowie der Diskussionen über akademische Plagiatsvorwürfe zeigt Henningsen, dass Urheberrecht für chinesische Autoren eine immer größere Rolle spielt. Zunehmend selbst von Copyright-Verletzungen ihrer Werke betroffen, äußern sie ihren Unmut und kämpfen für ihre Rechte, sei es durch Gerichtsverfahren oder ihre Texte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 26.04.2010
Dieses Buch wirkt wie ein sanfter Schlag auf den Hinterkopf des Rezensenten. Erhellend findet Tilman Spreckelsen die mit "ungestelzter Leichtigkeit" auf Englisch verfasste Dissertation der Sinologin Lena Henningsen in mehrerlei Hinsicht. Nicht nur untersucht die Autorin vor den erstaunten Augen des Rezensenten den Begriff des Copyright in Bezug auf die chinesischen Gegenwartsliteratur, sie entwirft dabei auch mit "klug und geschickt" gesetzten Akzenten eine Geschichte der chinesischen Kulturpolitik, einer kulturellen Tradition, die sich mit Themen wie Werktreue, Imitation, Fälschung etc. laut Spreckelsen schon länger befasst als das Abendland. Der scheinbare Nebenschauplatz Literatur wird für den Rezensenten so zum Schlüssel für ein breiteres Verständnis des chinesischen Alltags.
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