Klappentext
"Mütter prägen uns, auch wenn wir es nicht wollen, sie nisten sich in unseren Köpfen und Herzen ein, flüstern uns zu, schimpfen, trösten, tun es auch noch, wenn sie verstorben sind, tun es selbst dann, wenn wir sie nicht oder kaum kannten. Wir setzen unsere Schritte auf das, was wir dank oder trotz unserer Mütter wurden. Tragen sie darin für immer mit uns", schreibt Lena Gorelik. Alle meine Mütter erzählt von dieser besonderen, oft lebenslang komplexen Beziehung und ihren Facetten, erzählt davon, welche Mütter wir selbst zu sein versuchen, wie wir scheitern, zweifeln, stolpern und welche Ängste uns begleiten, was uns bindet und prägt, aber auch, was uns abhält, was es heißt, ungewollt Mutter oder nicht Mutter zu sein, ein Kind anzunehmen, zu verlieren oder nicht loslassen zu können.Tiefste Liebe, Zweifel, ganz verschiedene Formen von Glück - in der ersten und vielleicht engsten Bindung unseres Lebens tritt der ganze Kosmos menschlicher Beziehungen zutage. Dieses Buch geht alle an.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.05.2026
Rezensentin Insa Wilke zeigt sich ziemlich beeindruckt von Lena Goreliks neuem Roman, in dem es um Mütter geht - um die Frage, wie sich eine Sprache für Mutterschaft finden lässt, was die Mütter an ihre Töchter weitergeben und die Ambivalenzen, die diese Beziehungen aushalten müssen. Konkret beginnt die Mutter der Protagonistin das Erzählen mit ihrer Brustkrebsdiagnose, die ihren Körper damit emotional zum ersten Mal vollständig von dem ihrer Tochter zu trennen weiß, lesen wir. Andere Mutterfiguren werden in den Kapiteln zwischengeschaltet, ein ganzer "Chor von Müttern" tritt auf, der den Facettenreichtum des Themas mit der verständnisvollen und reflektierten Sprache von Gorelik verbindet, wie Wilke lobt. Für sie ist der Roman ein gelungenes Beispiel, das Thema Mutterschaft und Mutterrollen politisch und literarisch zugleich zu verarbeiten.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 31.03.2026
Rezensentin Miriam Zeh hat nur Positives über den neuen Roman der 1982 in St. Petersburg geborenen und 1992 nach Deutschland emigrierten Schriftstellerin über Mütter zu sagen. Der Text ist eine Collage aus kurzen Szenen und Bildern, die in empathischer und behutsamer Sprache Mütter in den unterschiedlichsten Konstellationen beleuchten, lässt uns die Kritikerin wissen. Darin stehen etwa migrierte Mütter, Tanten und neue Mütter von Patchwork-Familien gleichberechtigt nebeneinander, während es der Autorin gelingt, jede individuelle Perspektive in eine strukturelle einzupflegen, fährt Zeh fort. So liest die Rezensentin zwar auch von der schweigsamen Mutter der Autorin, erfährt darüber aber auch Vieles über die Sowjetunion, das Land, aus dem sie kam und das den "Weltrekord an Schwangerschaftsabbrüchen" hielt. Die Balance zwischen Mikro- und Makrokosmos bei gleichzeitigem Raum für zärtliche Momente, die Mutterschaft nicht auf eine biologistisch geprägte Fürsorge reduzieren, macht die besondere Stärke dieses Textes aus, freut sich Zeh.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 18.03.2026
"Alle meine Mütter" ist ein collageartiger Roman, der Mutterschaft in allen Facetten beleuchtet. Es gibt hier alle Sorten von Müttern, erzählt Rezensentin Miriam Zeh: junge Mütter, alte Mütter emigrierte Mütter, "Bonusmütter" oder Patchworkmütter, Mütter mit behinderten Kindern und Frauen, die keine Mütter werden können. Übergriffig wirkt das auf die Rzensentin nie, weil Lena Gorelik äußerst vorsichtig und "selbstreflexiv" vorgehe. All diesen Müttern sind kurze Abschnitte gewidmet, die ihre besondere Situation beschreiben. Wie Gorelik dabei immer vom Individuellen ins Strukturelle übergeht, findet Zeh stark. Und dass sie dabei größtmöglichen Abstand zum Mutterideal der Nazis hält, auch. Wo in diesen Reflexionen der Roman steckt, versteht man allerdings nicht ganz.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.03.2026
Rezensentin Rose-Maria Gropp erklärt, dass es sich bei Lena Goreliks neuem Buch eigentlich nicht um einen Roman handelt, sondern um einzelne Geschichten und Reflexionen ohne Kontinuität. Das Thema Mütter scheint diese zu vereinen, so Gropp. Die Autorin schreibt laut Gropp über eine russische Abtreibungsklinik, über potenzielle Mütter, über Mütter, die ihre Kinder im Krieg verlieren, und schließlich über ihre eigene Mutter. Das ist mal fiktiv und nicht frei von Stereotypen, mal autobiografisch intim, aber immer im Sinne einer Erkundung und somit auch für den Leser fesselnd und aufschlussreich, findet Gropp.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2026
Ob "Roman" eigentlich eine Fehlbezeichnung für diesen Text ist, fragt sich Rezensentin Marlen Hobrack, oder ob "Alle meine Mütter" nicht eher ein literarischer Essay ist. Eine Suche nach den Worten, die bezeichnen können, was es bedeutet für ein Ich, eine Mutter zu haben, eine Mutter zu werden, eine Mutter zu sein und vor allem zu verlieren. Gorelik sammelt Szenen, Fragmente, Geschichten verschiedener Mütter, legt ihnen die eigenen Worte in den Mund, verknüpft sie, um damit die eigene Mutter abzutasten oder abzuformen mit Worten. Was sie so zustande bringt, was sie über den mütterlichen Körper, die mütterliche Brust vor allem sagen kann, ist klug und versiert, und wie sie es sagt, "elegant", findet Hobrack. Und doch meint die Rezensentin hier, einer "Verfehlung" beizuwohnen. Denn das, was diese Autorin mit all ihren klugen, eleganten, sorgsam gesammelten Worten zu begreifen versucht, muss sich dem Text am Ende doch entziehen.
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