Leah Otis-Cour

Lust und Liebe

Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter
Cover: Lust und Liebe
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2000
ISBN 9783596601073
Taschenbuch, 231 Seiten, 9,66 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Elisabeth Vorspohl. Wie lebten Eheleute im Mittelalter, und welchen Einflüssen waren sie unterworfen? Die Autorin skizziert die Wandlungen der Ehe als sozialer Institution und beschreibt, wie die Ehe sich zu einem persönlichen und intimen Bund zweier Individuen entwickelt hat, der auch gegen den Willen der Familien geschlossen werden konnte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.01.2001

Die NZZ bespricht gleich zwei neue Bücher über ein bisher weithin unbekanntes Thema: Lust und Erotik im Christentum.
1). Leah Otis-Cour: "Lust und Liebe. Geschichte der Paarbeziehungen im Mittelalter". (Fischer-Taschenbuch)
Endlich erfahren wir mehr über das Liebesleben unserer christlichen Vorfahren im Mittelalter. Die Rezensentin Angelika Dörfler-Dierken ist darüber hell erfreut. Die Studie der amerikanischen Historikerin Leah Otis-Cour räumt mit einigen gängigen Klischees auf. Zum Beispiel, dass vor dem 18. Jahrhundert eher Eheleid denn Eheglück geherrscht habe. Bereits im 12. Jahrhundert, mit der juristischen Einrichtung der Konsensehe, wurden eine ganze Reihe von Liebeshochzeiten gefeiert, in deren Folge die Frauen gar nicht so recht- und glücklos waren, wie allgemein auch heute noch angenommen wird. Dörfler-Dierken hält das Buch der Historikerin für einen gelungenen Beitrag zur Frauen- und Geschlechtergeschichte. Der Autorin sei es gelungen, zahlreiche Einzelstudien mit einer ganzen Reihe von spannenden Erkenntnissen verständlich und gut strukturiert einer breiteren Leserschaft zu vermitteln.
2). Johannes Thiele: "Verflucht sinnlich. Die erogenen Zonen der Religion" (List-Verlag)
Nicht ganz so positiv bewertet die Rezensentin die Monographie des Journalisten Johannes Thiele über erotische Sinn- und Unsinnlichkeit bei Protestanten und Katholiken. Angelika Dörfler-Dierken mag der These des Autors, dass der Protestantismus als Religion der Rationalität die Sinnlichkeit verbannt und der Katholizismus sich dann später calvinistischer Askese angeschlossen habe, nicht zustimmen. Thiele variiere das alte Thema von Geist und Fleisch und halte letztlich ein Plädoyer für eine Religion des lustvollen Glücks, in der Körper und Geist miteinander versöhnt seien. Und da begibt er sich auf Irrwege, meint die Rezensentin. Sie schätzt den paradiesischen Zustand von sexueller Unschuld realistischer ein. Thiele reflektiere leider überhaupt nicht darüber, wie der Beziehungsalltag auch aussehen kann: Kampf um Abwasch und Liebe und Frust mit der Lust - Aspekte, die er in seiner Monographie nicht berücksichtigt habe.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 02.11.2000

Bea Lundt ist sehr angetan von diesem Buch, das Ehe und Sexualität im Mittelalter untersucht. Sie lobt die Studie dafür, mit der überkommenen Vorstellung aufzuräumen, dass die Ehe im Mittelalter lediglich ein "politisches Kalkül" gewesen sei, in der Gefühle nicht ausgelebt werden konnten und in der die Frauen gänzlich rechtlos waren, während die Männer ihre Sexualität frei auslebten - natürlich außerhalb der Ehe. Die amerikanische Autorin könne nachweisen, dass sich im Hochmittelalter das Konzept von Verwandtschaftsbeziehungen einerseits und die Auffassung von Ehe im Zuge der Einführung des "christlichen Modells der Geschlechterbeziehung" andererseits geändert hat und damit ein grundsätzlicher "Wandel von familiären Beziehungen" gegeben war. Das, so meint die Rezensentin, ist zwar keineswegs neu, doch hofft sie, dass diese Erkenntnis nun endlich auch die "Schulbücher" erreicht, die immer noch das Bild vom "finsteren" Mittelalter verbreiten. Sie lobt die Studie für ihre überzeugende Darstellung, die zudem auch noch "spannend zu lesen" sei und betont die gründliche Auswertung vor allem literarischer Quellen, die auch weniger bekanntes Material berücksichtigen.
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