Lara Vapnyar

Erinnerungen einer Muse

Roman
Cover: Erinnerungen einer Muse
Berlin Verlag, Berlin 2007
ISBN 9783827005526
Gebunden, 254 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Monika Schmalz. In Tanjas frühesten erotischen Phantasien kniet Dostojewski mit gütigem Lächeln vor ihrem Bett nieder und öffnet langsam Knopf für Knopf ihr Schlafanzugoberteil. Das Antlitz des Dichters mit der hohen Stirn ist Tanja vertrauter als irgendein anderes männliches Gesicht. Denn als Tanjas Vater die Familie sitzen ließ, verbannte ihre Mutter jedes Foto von ihm aus dem Haus und stattete die Wände mit den Porträts der großen russischen Dichter aus. Spätestens als ihr lüsterner Geschichtslehrer Tanja prophezeit, sie werde einen Mann zu großen Taten inspirieren, hat Tanja ihr Lebensziel gefunden. Sie ist zur Muse berufen! An dieser Überzeugung hält sie fest, als sie Moskau für eine glänzende Zukunft in New York verlässt. Unbeirrbar streunt sie durch die Stadt auf der Suche nach einem ihres Musenkusses würdigen Objekt. Sie findet es in Marc, einem graumelierten Erfolgsautor. Innerhalb weniger Wochen zieht die frischgebackene Muse bei ihm ein und erlernt ihr Handwerk: Marcs organischen Kaffee aufbrühen, Marcs erotischen Bedürfnissen Folge leisten, Künstlerpartys besuchen, sich ansonsten still verhalten. Hoffnungslos idealistisch versucht Tanja, die Langeweile niederzukämpfen, doch irgendwann ist ihr Englisch gut genug für den großen Moment, sich in Marcs neuestes Werk zu vertiefen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.10.2007

Nett und unterhaltsam, aber nicht weiter von Belang erscheint Rezensent Tilman Urbach dieser Roman der in Russland geborenen Autorin Lara Vapnyar, die heute auf Staten Island lebt und englisch schreibt. Das Buch scheint ihm vor allem ein "kaum verschleierter" Ich-Bericht. Im Mittelpunkt sieht er die junge Tanja, die aus Russland nach New York kommt, die Muse eines Dichters wird und irgendwann feststellt, dass sie eigentlich eher dessen Heimchen am Herd ist als eine inspirierende Geliebte. Interessant findet Urbach die Einbindung einer zweiten Ebene, der Geschichte Dostojewskis und seiner Muse in Paris, die Tanjas Werdegang stets konterkariert und bespiegelt. Gefallen haben ihn besonders der Humor und die Ironie der Autorin. Allerdings hätte er auf den "sentimentalen" Zusatz zum Ende des Buchs gern verzichtet. Sein Fazit: ein leicht zu lesendes - aber auch zu vergessendes - Buch.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.05.2007

Diesem autobiografisch gefärbten Roman sagt der rezensierende Schriftsteller Helmut Krausser eine Zukunft als Kultbuch voraus, so sehr hat ihm dieses "schlaue, witzige, lebendige" Buch gefallen. Irgendwie fühlte sich Krausser angesichts dieser Geschichte einer Frau, die einem Künstler in Selbstaufgabe Muse und Dienerin zugleich ist, ins 19. Jahrhundert zurück gebeamt. Zwar versteht man nicht ganz genau, was Krausser an dem Buch nun wirklich findet, da er sich mehr mit dem befasst, was drin stehen könnte, als was dort nun tatsächlich zu lesen ist. Immerhin erfahren wir, dass sich ein Nebenstrang des Romans mit der letzten Phase der Beziehung Dostojewskis und seiner Geliebten Appolinaria befasst. Hier sieht Krausser zwischen der "tragisch blühenden melodramatischen" Dostojewski-Dimension und der skeptizistisch konterkarierten Gegenwart ein "feines Pingpong-Spiel" von Pathos und Ironie sich vollziehen.

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