Kenneth Goldsmith

Uncreative Writing

Sprachmanagement im digitalen Zeitalter
Cover: Uncreative Writing
Matthes und Seitz Berlin, Berlin 2017
ISBN 9783957572523
Gebunden, 351 Seiten, 30,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Hannes Bajohr und Swantje Lichtenstein. Erweiterte deutsche Ausgabe. In einer Welt, in der jeder Text überall und sofort verfügbar ist, geht es immer weniger um das Schaffen von Neuem als den Umgang mit vorhandenem Text. Kenneth Goldsmith fordert daher, die Möglichkeiten des Internets ernst zu nehmen, die unser Schreib- und Leseverhalten radikal verändern. Inspiration und Expression gehören der Vergangenheit an. Goldsmith fordert das Plagiat und bewusste Unkreativität als radikale Strategien zur Erweiterung der Literatur, die sich seit den Experimenten der klassischen Moderne nicht mehr weiterbewegt hat. Im Gegensatz zum Kulturpessimismus, der Internet und Digitalisierung als Gefahr für die Literatur sieht, heißt er die digitale Welt enthusiastisch willkommen. Kopieren, Programmieren, Automatisieren sind die neuen literarischen Werkzeuge, ihre Genres heißen Plagiat, Remix, Appropriation. Sein im Original 2011 erschienenes Buch, das die erste ernst zu nehmende Poetik seit 50 Jahren ist, wird hier zum ersten Mal auf Deutsch veröffentlicht, ergänzt um ein neues, für die deutsche Ausgabe geschriebenes Kapitel.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 14.09.2017

Rezensent Volker Bernhard kann mit dieser von dem amerikanischen Konzeptpoeten Kenneth Goldsmith entworfenen, zwischen "Kunstgeschichte und Manifest" mäandernden "Poetik für ein digitales Zeitalter" nicht viel anfangen. Wenn ihm der Autor hier mit Rückgriff auf Roland Barthes, Andy Warhol und weiteren Bürgen aus Literatur, Kunst und Musik der letzten 150 Jahre ausführt, dass die Zukunft der Literatur in Plagiat, Remix und Aneignung liegt, dabei die Leserschaft zur "Denkerschaft" umdefiniert, die Bücher nicht mehr komplett lesen muss und erklärt, wie man die Textmengen des Internets bewältigt, fragt sich der Kritiker nach der Lektüre entnervt, warum die Literatur eigentlich originelle Schöpfungen aufgeben soll. Überhaupt möchte Bernhard die Literatur lieber als "Schutzraum" vor dem Digitalen verstanden wissen.