Katja Oskamp

Die vorletzte Frau

Roman
Cover: Die vorletzte Frau
Park X Ullstein, Berlin 2024
ISBN 9783988160201
Gebunden, 208 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Sie lernt ihn kennen, als sie noch jung ist und er beinahe schon alt. Er, der berühmte Schriftsteller. Sie, die mit dem Schreiben gerade anfängt und Mutter einer kleinen Tochter ist. Sie wird seine Schülerin, seine Geliebte, seine Vertraute, und beide schwören, sich einander zuzumuten "mit allen Meisen und Absonderlichkeiten". Eine Beziehung voller Lust und Hingabe und Heiterkeit.  Dann aber, als die Tochter mitten in der Pubertät steckt, erhält er eine Diagnose, die alles ändert. Die Beziehung wird zum Ausnahmezustand und sie von der Geliebten zur Pflegerin. Sie will helfen, sie hilft, doch etwas schwindet, ihr Lebensmensch entfernt sich, die Zeit der Abschiede beginnt. Und noch etwas: ein neues Leben. Katja Oskamp erzählt zärtlich und rückhaltlos von den Verwandlungen, die das Dasein bereithält, von brüchigen Lebensläufen, von den Rollen einer Frau und den Körpern in ihrer ganzen Herrlichkeit und Hässlichkeit.  Vor allem aber erzählt sie die Geschichte einer großen Liebe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.10.2024

Erinnerung und Indiskretion gehen in diesem Buch eine beglückende Verbindung ein, meint Rezensent Hilmar Klute. Die Autorin Katja Oskamp arbeitet darin, erfahren wir, ihre Beziehung mit dem Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann auf. Eine Beziehung, weiß Klute zu berichten, die einsetzt, als die Erzählerin, gefangen in einer unbedriedigenden Ehe, in einem Kurs am Leipziger Literaturinstitut die Bekanntschaft eines Dozenten namens Tosch macht - so heißt Hürlimann in diesem Buch. Beidseitig erwacht schnell sexuelles Interesse, später zieht die Erzählerin mitsamt Tochter in die Schweiz zu Tosch, das Zusammenleben klappt einige Zeit lang ganz gut, obwohl Tosch stets die Literatur über die Familie und sogar den Sex stellt. Außerdem wird er zum Schreibmentor der Erzählerin, die literarische Beziehung gestaltet sich laut Klute ähnlich obsessiv wie die sexuelle, bevor Toschs Krebserkrankung beiden ein Ende setzt. Oskamp erzählt schonungslos, beschreibt der Rezensent, aber auch ehrlich und deshalb ist ihr ein tröstendes Buch gelungen, das von zwei verschiedenen Niedergängen berichtet, dem Toschs und ihrem eigenen, wenn sie mit einem Buchprojekt scheitert. Am Ende bleibt von der Beziehung Oskamps und Hürlimanns doch etwas zurück, freut sich Klute, und zwar Text, ein Buch, das zum "Denkmal einer großen Liebe" wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.09.2024

Rezensentin Cornelia Geißler schätzt Katja Oskamp spätestens seit den Büchern "Hellersdorfer Perle" und "Marzahn, mon amour", in denen die Schriftstellerin ihr Gespür für Witz und "explizite" Schilderungen bereits unter Beweis stellte. Explizit geht es auch im neuen Roman zu, in dem Oskamp ganz unverblümt ihre neunzehn Jahre währende Beziehung zum Schriftsteller Thomas Hürlimann verarbeitet, der einst ihr Dozent, später ihr Mann wurde. Mehr noch: Der Roman ist auch eine Krankheitsgeschichte, denn Oskamp wird während der schweren Krebserkrankung ihres Mannes immer mehr zu dessen Pflegerin - und erspart kaum ein Detail, räumt die Kritikerin ein, die manches gar nicht ganz so genau wissen wollte. Davon abgesehen aber lobt Geißler den in fünf Kapiteln gehaltenen Roman, die sich wie Kurzgeschichten lesen, in den höchsten Tönen: Oskamp erzählt klar und präzise vom "Aufflammen und Sterben" der Liebe, verfasst mit Selbstironie das Porträt einer Frau von ihren Dreißigern bis um die fünfzig und nicht zuletzt eine Schriftstellerinnenbiografie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.09.2024

Not amused, gelinde gesagt, ist Rezensent Roman Bucheli bei der Lektüre des autobiografischen Romans Katja Oskamps. Die Autorin schreibt darin, erfahren wir, über ihre Beziehung mit dem Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann, der im Buch den Namen Tosch trägt. Es geht um aufmerksamkeitsfördernde Themen wie Sex und Liebe, beschreibt Bucheli, wobei es vor allem sexuell ziemlich explizit zur Sache geht, etwa wenn die Erzählerin Tosch gleich bei der ersten Begegnung in den Schritt greift. Tosch wiederum leidet an diversen Gebrechen, lesen wir weiter, seine körperlichen Schwächen werden von Oskamp ausführlich in demütigender Manier dargelegt. Darf Oskamp das? Bucheli meint: nein, und zwar, weil die Autorin hier denkt, rein aus der Erinnerung ein gemeinsames Leben rekonstruieren zu können. Dabei bedarf es, erläutert Bucheli auch mit Blick auf die Arbeiten Hürlimanns, einer literarischen Neuerfindung der Vergangenheit, und eine solche leistet Oskamp nicht. Die Motivation für diesen literarischen Vatermord kann der Rezensent ein Stück weit nachvollziehen, allein, am Ende ist der Roman für ihn ein übles Unterfangen, das von Hürlimann glücklicherweise souverän pariert wurde.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 05.09.2024

Einen "originellen Engtanz der literarischen Motive" findet Rezensentin Wiebke Porombka bei Katja Oskamp vor, die eigene Lebenserfahrungen zu einem rundum gelungenen Roman versponnen hat, allen voran die Beziehung zum Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann, der im Buch Tosch heißt. Der Altersabstand von neunzehn Jahren ist nicht der einzige große Unterschied, auch die Herkunft und der soziale Stand könnten nicht weiter auseinanderliegen, so sind sowohl Oskamp als auch ihre Erzählerin als Fußpflegerin tätig, erklärt Porombka. Tosch war zudem ihr Dozent am Literaturinstitut, ihr Verhältnis wird lapidar auf die Formel "Sex und Text" heruntergebrochen - so liest die Kritikerin hier sowohl witzig als auch tiefgründig von der Liebe, der Literatur und dem Schreiben und zeigt sich sehr berührt von Oskamps selbstironischer und dennoch behutsamer Art des Schreibens.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.08.2024

Katja Oskamp hat in diesem Roman ihre Lebens- und Liebesgeschichte mit dem Schweizer Autor Thomas Hürlimann verarbeitet, lernt Rezensent Volker Weidermann im Gespräch: Schonungslos und offenherzig schreibt sie davon, wie sie sich an einem Schreibinstitut kennenlernen, er zunächst ihr Mentor wird, bis es dann zu "Sex und Text" übergeht, denn er begleitet jeden Satz ihres Schreibens. Radikal packt sie alles aus, so Weidermann, der sich freut, dass nun einmal eine Frau diese traditionell eher männerliche Enthüllungsposition einnimmt. Er staunt zum Schluss noch, dass Thomas Hürlimann einverstanden war mit der Veröffentlichung dieses Romans, der keine Geheimnisse unangetastet lässt. Ein tolles, ehrliches Buch, findet Weidermann.