Kathryn Winter

Katarina

Ein Roman vom Überleben. Ab 12 Jahre
Cover: Katarina
Beltz und Gelberg Verlag, Weinheim 2000
ISBN 9783407808752
Gebunden, 301 Seiten, 12,68 EUR

Klappentext

Aus dem amerikanischen Englisch von Klaus Weimann. Slowakei 1943: Von einem Hügel aus behält die achtjährige Katarína die Straße im Auge; sie wartet auf Tante Lena und Onkel Teo. Die beiden wollten sie nach "zehn, höchstens vierzehn Tagen" von der Bauernfamilie wegbringen und zurück nach Hause holen. Doch Sommer und Herbst vergehen, es schneit schon, und von Tante Lena und Onkel Teo keine Spur. Wegen ihrer roten Haare wird Katarina im Dorf gemieden, die abergläubischen Bewohner fürchten sie als Hexe. Und als ihre Gastfamilie dahinterkommt, dass sie Jüdin ist, schicken sie Katarina fort. Es braucht noch viele Fluchtstationen, bis Katarina in ein protestantisches Waisenhaus kommt, wo man sie liebevoll behandelt und sie in der Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrer Familie bestätigt. Hier erlebt sie auch den Einmarsch der Russen, der ihre Befreiung bedeutet. Ein rumänischer Soldat wird sie in ihr Heimatdorf zurückbringen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.03.2001

Christine Knödler bespricht fünf Jugendbücher über Kinderschicksale in der Nazizeit, und sie ist von jedem einzelnen sehr angetan.
1.) Kathryn Winter: "Katarina". Ein Roman vom Überleben
Die Rezensentin lobt den Jugendroman, der aus der Perspektive des jüdischen Kindes Katarina deren Flucht und Leben im Versteck vor den deutschen Soldaten in Slowenien schildert, für seine Sprachgewalt und die Eindringlichkeit der Darstellung. Sie findet, dass dieses autobiografisch geprägte Buch "kein Wort zu viel" macht und subtil auch das "Unsagbare" zur Sprache bringt. Dass die amerikanische Autorin dabei auch einen Blick fürs Detail beweist, ist der Rezensentin ein besonderes Lob wert.
2.) Mirjam Pressler: "Malka Mai"
Auch diesen Jugendroman, der die Flucht eines jüdischen Mädchens vor den Nazis erzählt, findet die Rezensentin beeindruckend, denn Pressler schaut, wie sie lobend betont, "ganz genau hin".. Sie preist die "neuen Sprachbilder", die die Autorin für die schrecklichen Erlebnisse des Mädchens findet und hebt die zwischen Mutter und Tochter wechselnde Erzählperspektive hervor, die die Geschichte vielschichtig mache.
3.) Ida Vos: "Pausenspiel"
Diesen Roman, der eine Fortsetzung der Geschichte zweier Schwestern darstellt, preist Knödler als "außergewöhnlich". Die niederländische Autorin habe in dem Buch Teile ihrer eigenen Biografie verarbeitet, denn auch sie habe als Kind vor den Nazis fliehen müssen. Deshalb, so die Rezensentin beeindruckt, "weiß" die Autorin "wovon sie schreibt" und kann die Angst des Mädchens eindrücklich wiedergeben. Sie rühmt die Fähigkeit Vos`, die "unheimliche, unfassbare Bedrohung", unter der das Mädchen leidet, anschaulich darzustellen und findet auch die Kinderperspektive, aus der die Ereignisse dargestellt sind, überzeugend.
4.) Donna Jo Napoli: "Flucht nach Venedig"
Auch dieses Jugendbuch, das die Verschleppung von italienischen Jungen durch die Nazis erzählt, findet das ungeteilte Lobt der Rezensentin. Der Grausamkeit der Geschichte, die auf wahren Ereignissen beruht, setze die Autorin ihre "schnelle, laute, brutale" Erzählweise entgegen. Damit, so die Rezensentin anerkennend, dokumentiert sie ein "fast vergessenes Kapitel" aus der Geschichte des zweiten Weltkriegs.
5.) Theo Engelen: "Schatten aus der Vergangenheit"
Ganz kurz geht die Rezensentin noch auf diesen Jugendroman ein, den sie trotz seines völlig anderen Ansatzes dennoch lobenswert findet. Sie sieht in dem Buch, dass einen Jungen die Geister zweier vor 50 Jahren auf dem Dachboden seines Elternhauses untergetauchten jüdischen Kinder entdecken lässt, als ein Stück "Vergangenheitsbewältigung" und lobt es als "spannende" Familiengeschichte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.03.2001

Siggi Seuss lobt in einer Doppelbesprechung zwei Bücher, die das Überleben jüdischer Kinder in der Zeit des Nationalsozialismus schildern: "Pausenspiel" von Ida Vos und "Katarina" von Kathryn Winter. Obwohl die eine Geschichte in Holland angesiedelt ist, die andere in der Slowakei, sieht Seuss große Parallelen zwischen beiden Erzählungen: Sie beruhen beide auf den Lebensgeschichten der Autorinnen, konzentrieren sich beide streng auf das Erleben der Kinder und die dabei stete Gefahr, entdeckt zu werden und schildern vor allem den "Rückzug in eine innere Welt", ihre Überlebensstrategien und woher die Kinder ihre Kraft zum durchhalten in ihren jeweiligen Verstecken ziehen. Beide Bücher vermitteln darüber hinaus nach Ansicht des Rezensenten, was "menschliche Tugenden und Bösartigkeiten" betrifft, mehr als die meisten Geschichtsbücher, und auch in literarischer Hinsicht zeigt sich Seuss begeistert.
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