Kate Tempest

Worauf du dich verlassen kannst

Roman
Cover: Worauf du dich verlassen kannst
Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 2016
ISBN 9783499269899
Gebunden, 400 Seiten, 14,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Stella und Karl Umlaut. Die preisgekrönte Rapperin und Lyrikerin Kate Tempest presst mit ihrem Debüt ihre Hand ans finstere, schlagende Herz der Metropolen, das im allesüberdauernden Takt von Drogen, Begehren und Freundschaft schlägt. Ihre Helden Becky, Pete, Leon und Harry haben Jobs, für die es keine Ausbildung und Geld, für das es ungewaschen keine Verwendung gibt. Sie müssen raus, raus aus London - und kommen doch nicht davon los. Tempest nimmt uns mit in die Häuser und Herzen der kleinen Leute, in ihre Familien und zeigt uns Momente voller Schönheit, Enttäuschung, Ehrgeiz und Scheitern. Niemals zynisch und immer voller Empathie stellt "Worauf du dich verlassen kannst" die Frage, wie wir leben und einander lieben - und zeigt uns, dass gute Absichten nicht notwendigerweise zu den richtigen Entscheidungen führen.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.07.2016

Kate Tempest wird derzeit als neue politische Stimme der englischen Literatur gefeiert, meint Rezensent Lars Weisbrod. So klopft er "Worauf du dich verlassen kannst" auch und besonders auf dessen politischen Anspruch ab. Und während ihm das Buch als kleiner Genreroman nicht weiter aufstieße, findet er die Jubelkritiken, mit denen das Buch hier überschüttet wurde, mehr als verfehlt. Denn die drei Figuren, über die Tempest in ihrem Roman schreibt, und aus deren Perspektive sie sich mächtig über das "Schweinesystem" echauffiert, repräsentieren mitnichten die Unterprivilegierten, erklärt Weisbrod. Vielmehr ähneln sie eben jenen "verwirrten Mittelschichtsmännchen", die in der Literatur ohnehin Stammgäste sind, nur dass diese Exemplare mittlerweile das Nachdenken über die Misere und ihre Auswege für ein unwohles Bauchgefühl eingetauscht haben, kritisiert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.07.2016

Kate Tempest ist eine vielseitige, hohe und niedere Kultur spielerisch verbindende Künstlerin, schreibt Rezensentin Diviam Hoffmann: Mit politischem HipHop hat sie angefangen, machte dann Station als Theaterregisseurin und Lyrikerin und legt nun ihr Romandebüt vor. Wer mit den Alben der Londoner Rapperin vertraut ist, trifft in "Worauf du dich verlassen kannst" denn auch einige Bekannte wieder, auch wenn manche Personen vom Weg aus den Lyrics in den Text ihr Geschlecht geändert haben, erfahren wir von der Kritikerin. Im Mittelpunkt stehen diejenigen, die beim Siegeszug des Neoliberalismus unter die Räder gekommen sind: Was in ihren Raps noch mangels Raum auf Andeutungen beschränkt ist, erfährt im literarischen Text nun eine mit drastischen Symbolen intensiv aufgeladene Konkretion und nicht zuletzt eine bemerkenswerte historische Tiefe, so Hoffmann. Einher geht das mit beträchtlichen Herausforderungen für die Übersetzung, in der, so die Kritikerin voller Bedauern, manche Details doch verloren gehen. Dass man hier in London nun sogar auf einen dem Berliner Idiom entliehenen "Späti" trifft, hält Hoffmann für unverzeihlich.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.06.2016

Karin Janker ist voller Lob für den Debütroman von Kate Tempest. Was in den Songs der Rapperin atemlos und dringlich rüberkommt, meint Janker, wird im Buch vertieft, die angerissenen Biografien bekommen eine Vergangenheit. Doch auch die Prosa, versichert Janker, hat das Pathos von Punchlines, und die Kapitel tragen die Namen der Songs. Empathisch ist die Autorin hier wie dort, erklärt sie. Literarisch versiert findet Janker, wie Tempest die Lebensgeschichten ihrer South-East-London-Gestalten, die mit Drogen und kaputten Familiengeschichten hadern, mit Eifersucht und verbauten Chancen, miteinander verknotet, Rückblenden einflicht und dabei den Rhythmus der Londoner Nacht hält, poetisch, bildstark, empfindsam und komplex.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.05.2016

Wie mit Kate Tempest immer wieder die Gäule durchgehen und sie ihrer Erzähl- und Beschreiblust ungezügelt Lauf lässt, findet Peter Praschl in Zeiten allgegenwärtiger Ironie und sprachlicher Verknappung in der Literatur ungemein erfrischend. Anderen Debütanten wäre vom Lektor vermutlich ein Viertel gestrichen worden, weiß er, aber Tempest hat es zum Glück bereits als Spoken-Word-Performerin und Rapperin zu Weltruhm gebracht, und so ist sie so frei, zu jeder ihrer Figuren auch noch die Eltern- und einige Großelternbiografien auszubuchstabieren. Damit gelingt der Autorin nicht weniger, als "den Überschwang und den Überfluss wieder zurück in die Literatur" zu bringen, stellt Praschl hingerissen fest.