Der Autor verfolgt an Beispielen aus der Rezeption deutscher Literatur, wie das sowjetische Modell in Volkspolen eingeführt, durchgesetzt und schließlich durchlöchert wurde. Er beschreibt den Kampf gegen die Zensur, Debatten um das Werk einzelner Schriftsteller (Brecht, Kleist, Thomas Mann) und Hannah Arendts Wirkung in Polen. Außerdem stellt er eigene, mit der politischen Situation verbundene Lektüren literarischer Werke vor und erinnert sich an Begegnungen mit zeitgenössischen deutschen Schriftstellern. Aus dem Inhalt: Es ging um den Raum (Der erste Besuch des Berliner Ensembles in Polen und seine Folgen) - Jan Kott als Vorkämpfer des sozialistischen Realismus und seine Wandlung - Kleist, der preußische Reaktionär? - Was eine Übersetzung politisch vermag. Zur Übertragung des "Marat" von Peter Weiss ins Polnische - Ein Streit um Thomas Mann - Der Kampf mit der Zensur in Volkspolen - Hannah Arendt in polnischer Wahrnehmung - Meine Begegnungen mit Polen in der deutschen Literatur (Heine, Döblin, Enzensberger) - Reflexionen zur polnischen Nachkriegsgermanistik - Interviews mit Horst Bienek und Ingeborg Bachmann - Der ideale und der perfekte Machtapparat (Kafka, Samjatin, Huxley und Orwell).
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.11.2006
Erhellend scheint Rezensent Thomas Meissner diese Untersuchung über die Rezeption deutscher Literatur und Kultur im sozialistischen Polen, die der polnische Germanist Karol Sauerland vorgelegt hat. Deutlich wird für ihn die politische Dimension des deutsch-polnischen Kulturtransfers, wobei die Problematik des Umgangs mit deutscher Kultur vor dem Hintergrund der deutsch-polnischen Geschichte ebenso eine Rolle spielt wie die Frage nach der Vereinbarkeit mit kommunistischen Grundsätzen. Neben den Diskussionen um die Gastspiele von Brechts Berliner Ensemble 1952 und der Aufführung von Peter Weiss? Drama "Marat" führt Meissner die Thomas-Mann-Rezeption in Polen sowie die Polenschriften Heines, Döblins und Enzensbergers an. Besonders interessant findet er Sauerlands Erinnerungen an persönliche Begegnungen mit Schriftstellern wie Erich Fried oder Ingeborg Bachmann.
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