Karlheinz Stierle

Dante Alighieri

Dichter im Exil, Dichter der Welt
Cover: Dante Alighieri
C. H. Beck Verlag, München 2014
ISBN 9783406668166
Gebunden, 236 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Dante Alighieri (1265 - 1321), Spross einer alten Florentiner Familie, begann seine Laufbahn als Lokalpolitiker und Liebesdichter von zweitrangiger Bedeutung. Erst nach seiner Verbannung aus Florenz, die ihn seiner Lebensgrundlage beraubte, wurde er zum Dichter des größten Weltgedichts der abendländischen Literatur. Der Dante-Forscher Karlheinz Stierle zeichnet die Entwicklung Dantes nach und zeigt eindringlich, wie dieser das Trauma des Exils durch das Werk seines Lebens, die "Göttliche Komödie", zu überwinden suchte. Stierle macht den Leser mit Dantes Anfängen und dessen frühen Werken vertraut, von der "Vita Nova" bis zu Dantes Verteidigungsschrift für das Italienische als Literatursprache. Er erzählt, was wir über die Jahre des Dichters im Exil wissen, und stellt die "Commedia" ausführlich vor. Zwanzig Jahre hat Dante mit der Umsicht eines Baumeisters an seinem Hauptwerk gearbeitet. Er wollte mit ihm Vergil, den größten Dichter der Antike, übertreffen und eine Vision von der Welt als Ganzer entfalten. Wie tief sein grenzenloser Ehrgeiz in der Schmach und Verzweiflung des Heimatlosen wurzelte, wird in diesem Buch deutlich. Frei von allen Bindungen der Tradition ist Dante mit der "Commedia" ins Unbekannte aufgebrochen, und erst in diesem poetischen Werk hat er seine Rettung und seine Heimat gefunden.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 23.05.2015

Zu sagen, Klaus-Rüdiger Mai sei enttäuscht von diesem Essay des Romanisten Karlheinz Stierle wäre falsch. Allenfalls ist Mai überrascht, dass der Autor ihn zwar zu Dante hinführt, es dann aber vermissen lässt, ihm die Aktualität Dantes zu beweisen. Stierles Hauptthese, wonach Dante durch seine Vertreibung aus Florenz und das Exil erst zum Dichter wurde, findet Mai hingegen nicht schlagend, die "Commedia", um die es dem Autor in seinem Buch vornehmlich geht, scheint ihm mit ihr nur teilweise deutbar. Und was ist nun mit Dantes Biografie, seiner Lebenswelt? Der Autor nimmt sich ihrer nur sehr ausschnitthaft, eher pflichtschuldig an, meint Mai, und versäumt somit eine Deutung von Dantes Dichtung aus seiner Zeit heraus und eine Interpretation der "Commedia", die das Spannungsverhältnis zwischen Dichter und Figur auslotet.
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