Karl Ristikivi

Die Nacht der Seelen

Cover: Die Nacht der Seelen
Guggolz Verlag, Berlin 2019
ISBN 9783945370209
Gebunden, 373 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Karl Ristikivi (1912-1977) ist einer von Tausenden Esten, die 1944 vor den Sowjets in den Westen flohen. Bis zu seinem Tod lebte er in Stockholm. "Die Nacht der Seelen" erschien 1953, ein existenzialistischer Exilroman mit surrealistischen Zügen, der seine persönliche Lebenssituation aufgreift. Der Ich-Erzähler, Ristikivis Alter Ego, betritt in der Silvesternacht ein offenstehendes Haus aus Neugier und in der Erwartung, dort Gesellschaft und Unterhaltung zu finden. Schnell wird aber klar, dass der Weg immer tiefer in das Haus hinein auch ein Weg in das eigene Innere, in die eigene Geschichte ist. Plötzlich fällt der Strom aus - es muss ein Verbrechen passiert sein. Der Prozess, der anschließend abgehalten wird, fokussiert aber gar nicht so sehr das mögliche Verbrechen, sondern richtet den Blick vielmehr auf das Menschenleben an sich und die Verfehlungen des Ich-Erzählers im Besonderen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 30.08.2019

Rezensent Paul Stoop wird beim Lesen von Karl Ristikivis Roman von 1953 bewusst, wie sehr die estnische Literatur Teil der europäischen Kultur ist. Nicht nur die Ähnlichkeiten des Textes mit dem Werk von Beckett und Kafka machen das für ihn deutlich. Die Geschichte um Exil und Fremdheit erzählt der Autor laut Stoop vielschichtig, ironisch und mit subversivem Humor. Das Buch mit seiner surrealen Atmosphäre, so lernt Stoop aus dem informativen Nachwort des estnischen Autors Rein Raud, nimmt im Werk Ristikivis eine Sonderstellung ein, macht aber gleichwohl neugierig auf Ristikivis Gesamtwerk, findet Stoop.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.08.2019

Jan Brachmann liest Karl Ristikivis Roman von 1953 in der Übersetzung von Maximilian Murmann mit Faszination. Wie der 1944 nach Schweden geflohene Autor darin die eigene Erfahrung der Fremdheit im Exil behandelt, indem er den Leser auf falsche Fährten setzt und ihm ein Sinnganzes vorenthält, wie er seinen Ich-Erzähler in Stockholm in einer Atmosphäre wie in Resnais' "Letztes Jahr in Marienbad", in selbstreflexiven Spiegelungen und schließlich in einem Kafkaesken Prozess vorführt, scheint Brachmann beeindruckend. Sprachlich findet er den der Logik der Träume folgenden Text nahezu perfekt.
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