Auf welcher Grundlage stand die völkische Ideologie, die spätestens seit dem Ersten Weltkrieg großen Einfluss auf die Mitte der deutschen Gesellschaft nahm? Julian Köck korrigiert die bisherige Forschungsmeinung: Nicht auf die Rassenlehre oder den Antisemitismus stützte sich die Völkische Bewegung in erster Linie. Vielmehr waren es einheitsstiftende Geschichtsbilder - etwa die Begeisterung für das antike Griechenland -, die es den Völkischen ermöglichten, die heterogenen Elemente ihrer Weltanschauung zu überbrücken. Dabei ging es nicht darum, eine vergangene Zeit wiederauferstehen zu lassen, sondern die "ewigen Werte in der Geschichte" zu bestimmen und in ein Programm für die Zukunft umzuwandeln.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.07.2016
Dass völkisches Denken damals wie heute extremistisch und demokratiefeindlich ist, lernt Marian Nebelin mit Julian Köcks Buch. Der Band scheint ihm interessant im Hinblick auf heutige Entwicklungen, Pegida und AfD. Wenn der Autor, sorgfältig-detailliert, beinahe enzyklopädisch vorgehend, den Kern völkischen Denkens im Faktor Geschichte ausmacht, wie Nebelin schreibt, erkennt der Rezensent den Fokus der Betrachtung auf weltgeschichtlichen Entwürfen von Theodor Fritsch, Heinrich Wolf, Ludwig Schemann. Das gesamte Spektrum der völkischen Geschichtspublizistik decke der Autor dabei ab und kläre, wie die Antike jeweils instrumentalisiert wurde. Allerdings erkennt er, dass entgegen Klöcks Annahme die politische Dimension stets im Vordergrund stand. Das Buch regt den Rezensenten an, typologische Gemeinsamkeiten zwischen völkischen Bewegungen gestern und heute zu suchen und zu entdecken.
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