Die Gnosis ist eine Erscheinung der abendländischen Religionsgeschichte, die sich in der gegenwärtigen spirituellen Szenerie wieder verstärkt bemerkbar macht. Sie bildete im 2. Jahrhundert komplexe mythische Systeme, die ein dualistisches Welt- und Menschenbild zum Ausdruck bringen. Im Zentrum der gnostischen Lehre steht das religiöse Wissen um den Aufbau des Kosmos, den sündigen Zustand der irdischen Welt und das Naturell des Gnostikers, der einer immateriellen Lichtsphäre angehört. Julia Iwersen stellt die wichtigsten gnostischen Systeme vor allem anhand der in den Vierzigerjahren gefundenen koptischen Originaltexte vor, deren Edition erst kürzlich abgeschlossen wurde. Darüber hinaus zeigt sie die geistesgeschichtliche Bedeutung der Gnosis für die westliche Esoterik auf.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2001
Schmale Einführungsbände über ein wissenschaftliches Thema üben auf Roland Kany eine ungeheure Faszination aus, versprechen sie doch dem Leser, ein komplexes Problem schnell und einfach zu vermitteln. So auch die Bücher, die der Rezensent über die Gnosis gelesen hat, die allerdings in unterschiedlichem Maß der Anforderung gerecht werden, in Kürze präzise das Wesentliche auf den Punkt zu bringen. Der Band "Gnosis zur Einführung" von Julia Iwersen schneidet bei Kany nicht besonders gut ab. Er entspreche allein schon den wissenschaftlichen Standards nicht. Abgesehen von formalen Schwächen ärgert sich Kany aber auch über das Selbstbewusstsein der Autorin, ihre Hypothesen als Tatsachen darzustellen. Vor allem, dass sie die Gnosis und die Esoterik miteinander in Verbindung setzt, was Kany so gar nicht gelten lassen kann.
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