Jürgen Teller

Auschwitz Birkenau

Cover: Auschwitz Birkenau
Steidl Verlag, Göttingen 2025
ISBN 9783969994597
Gebunden, 448 Seiten, 35,00 EUR

Klappentext

Kurz vor dem 80. Jahrestag der Befreiung des Lagers reisen Juergen Teller, Dovile Drizyte und Gerhard Steidl auf Einladung des Schriftstellers und Exekutiv-Vizepräsidenten des Internationalen Auschwitz-Komitees Christoph Heubner nach Auschwitz und Birkenau. Tagelang gehen sie durch die Gedenkstätten, und Teller fotografiert, was er sieht: Baracken und Gleise, die ins Unendliche zu führen scheinen, Gaskammern und Latrinen, elektrische Zäune, Botschaften, Zeichnungen, Fotos und Nachrichten, die das Leben der Häftlinge und ihren Tod dokumentieren - aber auch Profanes wie Parkplatzschilder und Souvenirshops, Besucher und Busse. Alles in diesen Fotografien hat seine Unschuld verloren, auch Gräser, Birken, Beeren, winterliches Sonnenlicht, das durch Fenster fällt. Jedes Detail, das Teller festhält, ist eine Spur in die Welt der Opfer und Täter, ist Teil des Grauens und der Realität dieser 190 Hektar großen Todesfabrik, in der mehr als 1,1 Millionen Menschen, die meisten von ihnen Jüdinnen und Juden, ermordet wurden. Juergen Tellers Fotografien bewahren, was da ist, Vergangenheit und Gegenwart. Manchen der Fotos fügt Christoph Heubner Erinnerungen, Zitate und Eindrücke aus seinen jahrzehntelangen Begegnungen und Gesprächen mit Überlebenden des Lagers hinzu.Auschwitz Birkenau ist ein visueller Atlas, eine beeindruckende Bestandsaufnahme.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 31.05.2025

Nicht sehr beeindruckt ist Tal Sterngast von Juergen Tellers Fotoband über Auschwitz. Der Starfotograf machte im Dezember 2024 eine lange Reihe von iPhone-Aufnahmen in den Stätten der ehemaligen Lager Auschwitz I und II, gehalten sind sie, lesen wir, in dem beiläufigen Stil, für den Teller bekannt ist. Offensichtlich rasch angefertigt wurden diese Bilder, wir sehen Wiesen und Zäune, das bekannte Eingangstor, auch Krematoriumsöfen und mehr. Hat Teller etwas zur langen Debatte über die Darstellbarkeit von Auschwitz und den Wert des Fotografischen in diesem Zusammenhang hinzuzufügen? Eher nicht, glaubt Sterngast, dem zum Beispiel Gerhard Richters von Teller ebenfalls abfotografierter Zyklus "Birkenau", der vor Ort ausgestellt ist und aus Bearbeitungen von Fotografien besteht, die Auschwitz-Häftlinge anfertigten, mehr sagt. Teller hat einfach nur ein paar Bilder in einer Gedenkstätte aufgenommen, so der enttäuschte Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2025

Für Rezensentin Johanna Adorján klingt es zunächst recht "verkehrt", dass vom Modefotograf Juergen Teller, der normalerweise Kim Kardashian, Charlotte Rampling oder Vivienne Westwood vor der Linse hat, nun auf einmal ein Bildband über Auschwitz kommt. Dann ist sie aber sehr beeindruckt von dem genauen Blick, den der Fotograf in den über 800 Bildern auf im Grunde alles wirft, was er in Auschwitz sieht, fasst Adorján zusammen: sie zeigen, stets "gleichberechtigt" in gleicher Größe untereinander, das weite Gelände der Gedenkstätte, die Öfen, Gedenktafeln, leere Zyklon-B-Dosen, aber auch: jugendliche Besucher in North-Face-Jacken, Bäume, ein Grashügel, mehrfach, aus verschiedenen Perspektiven, staunt Adorján. Wie sehr Teller sich hier künstlerisch zurücknehme und dafür die Bilder, und sei es das Gras, für sich sprechen lasse, ist für die Kritikerin "keinesfalls platt oder nichtssagend", sondern auf "berührende Weise suchend". Bis auf ein einziges, irgendwie "glamouröses" Porträt der Holocaust-Überlebenden Eva Umlauf sei der Band in seinem dokumentarischen, politischen Gestus sehr Teller-untypisch, aber gerade deshalb für die Kritikerin sein bestes Werk seit Langem.

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