Juan S. Guse

Lärm und Wälder

Roman
Cover: Lärm und Wälder
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2015
ISBN 9783100024343
Gebunden, 320 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Die Sicherheitsvorkehrungen in Nordelta wurden erhöht. Reiterstaffeln patrouillieren durch die Straßen, die Wachmänner tragen letale Waffen. Seit zehn Jahren wohnt Pelusa mit ihrer Familie in der Gated Community nördlich von Buenos Aires. Nach ihrer Zeit in den Anden genießt sie das sichere Zusammenleben mit den freundlichen Nachbarn. Doch als gewaltsame Unruhen Nordelta zu erreichen drohen, entwickelt sich unter den Bewohnern ein Klima der Angst. Während Pelusas Mann Hector vom Bau unterirdischer Bunker träumt, hat ihr Sohn Henny längst Pläne für eine Mondbasis zur Rettung der Menschheit entworfen. In seinem Debütroman beschreibt Juan S. Guse eine Gesellschaft in Alarmbereitschaft und erzählt von Orten der Leere und Hysterie, in denen die Lebensentwürfe seiner Figuren zu scheitern drohen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 30.01.2016

Was für ein Debüt!, schwärmt Rezensent Nico Bleutge, der Juan S. Guses Roman "Lärm und Wälder" in einer Tradition mit den Büchern von Jules Vernes über Alfred Döblin bis zu Leif Randt sieht. Wie Guse hier seine Fallstudie über die künstliche Realität der Gated Community Nordelta in Buenos Aires vermeintlich real beginnen lässt, um sie dann in finsteren dystopischen Bildern weiterzudenken, hat dem Kritiker ausgesprochen gut gefallen. Mit angehaltenem Atem liest er nicht nur von den Unruhen und sozialen Spaltungen hinter der perfekten Fassade, sondern folgt auch den Schicksalen der Figuren, die in ihren ganz eigenen Sphären leben. Nicht zuletzt lobt Bleutge den ruhigen und eindringlichen Erzählton, der die Gedanken der einzelnen Figuren deutlich spürbar werden lasse.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 21.11.2015

Rezensent Moritz Müller-Schwefe setzt voraus, dass seine Leser am Internet sitzen: Die in Argentinien unweit von Buenos Aires gelegene Gated Community Nordelta, ein Refugium für Reiche, in dem Guse seinen Roman spielen lässt, sollen sich Müller-Schwefes Leser genauso selbst ergoogeln wie die Subkultur der "Prepper", fanatische Weltuntergangsbefürchter, die in ihren Häusern alle Vorbereitungen treffen, um dafür gewappnet zu sein, wenn eines Tages tatsächlich mal das Licht ausgehen sollte. Beides, die Gated Community und die Prepper, bilden den Nährboden für Guses Geschichte über "(Über-)Lebensmodelle", erklärt der Kritiker dann doch. Dass er sich etwas schwer damit tat, unter den zahlreichen, marottengespickten Figuren ein Identifikationsangebot herauszupicken, mag Absicht des Autors sein, hält Müller-Schwefe diesem zugute. Immerhin mache dies den Blick frei auf das Referenzsystem, dessen sich Guse bedient: Boyle, Orwell und Welles werden vom Rezensenten genannt. Dessen finales Verdikt: Bei "Lärm und Wälder" handle es sich um einen "kraftvollen, hochaktuellen Roman".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2015

Rezensent Hans-Peter Kunisch hätte sich ein besseres Lektorat gewünscht für Juan S. Guses Romandebüt. Guses Sci-Fi-Story versetzt Kunisch sanft und nur ganz leicht in die Zukunft der Gegenwart, genauer, an den Rand einer Gated Community irgendwo in Südamerika. Dass Guse keine Marsmenschen bemüht, sondern seine Figuren stattdessen das Überleben und das Miteinander trainieren lässt, scheint Kunisch zu gefallen. Weniger begeistert zeigt er sich von Guses sprachlichem Talent. Stilblüten und Hülsenwörter machen ihm die Lektüre schwer.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 05.09.2015

Dem Rezensenten Peter Praschl wird Angst und Bange beim Lesen von Juan S. Guses dystopischem Roman über die Grenzen des Wohlfühlkapitalismus. Wenn der Autor die Zeichen des Untergangs aus Sicht einer Gated Community am Rand der Slums von Buenos Aires beschreibt, stehen ihm angesichts der aktuellen Migrationsereignisse die Haare zu Berge. Auch wenn der Text eine "durchgeknallte" Vorstellungswelt abbildet, scheinen Praschl die Bezüge zur Gegenwart offensichtlich. Gerade indem der Autor das Geschehen vor den Grenzen der Community ausspart, gibt er den Untergangsfantasien der Wohlstandsapokalyptiker Raum, meint Praschl.
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