Unversöhnlich stehen sich mit den beiden Hauptfiguren dieses Romans zwei Generationen und zwei ethische und politische Grundhaltungen gegenüber: konservativer Liberalismus und revoltierender Terrorismus. Erzählt wird aus der Perspektive des Innenministers einer kleinen Monarchie, der durch die Machenschaften seines Enkels Bruno Collignon gerade gestürzt wurde. Er gibt sich nun Rechenschaft über sein Leben und die Beziehung zu seinem Enkel. Geschildert wird der erbarmungslose Machtkampf zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren, in dem schließlich der ganze Staatsapparat eingesetzt wird, um einen Familienzwist auszufechten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.12.2009
Tobias Haberkorn freut sich aufrichtig, dass mit "Bericht über Bruno" Joseph Breitbachs "wichtigstes", bereits 1962 erschienenes Buch wieder aufgelegt wurde. Für Haberkorn stellt es nicht nur das seltene Glück eines spannenden und klugen deutschen Politthrillers dar, sondern ist auch sehr "aufschlussreich". Breitbach schildert aus der Sicht des Großvaters die Entwicklung eines hochintelligenten, charakterlich aber unterentwickelten Heranwachsenden, der eine außerordentlich elitäre Erziehung genießt. Er wird zum Terroristen und treibt sein kleines Land beinah in den Bürgerkrieg, fasst Haberkorn zusammen. Der altherrenhafte, kühle Ton des Berichts, der fast durchgehend in indirekter Rede gehalten ist, vermittelt einen guten Eindruck vom Umgang mit Gefühlen in der Adenauerzeit, findet der Rezensent und entwickelt, wie er fasziniert feststellt, gegenüber dem "entsublimierten Loslabern" unserer Gegenwart einen ganz eigenen Reiz. Einen "literarischen Geheimtipp" hat Haberkorn auch noch entdeckt, nämlich die großartige Szene einer für den sowjetischen Botschafter veranstaltete Wildschweinjagd, die sich nicht zuletzt durch die Stimme des knochentrockenen Protokollanten zu einer "psychologischen Reifeprüfung" auswächst.
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