Diese 1945/46 entstandene Erzählung ist das Debüt der Autorin Christine Lavant, sie erzählt darin vom Leben eines Kindes in einer Heilanstalt; ganz bleibt sie in der Denkwelt des Mädchens, das die so geheimnisvollen wie existenziellen Vorgänge um sich herum noch kaum versteht. Viele der späteren Themen werden schon hier eindrucksvoll angeschlagen: Krankheit, körperliche Beeinträchtigung - der diskriminierende Umgang der Gesellschaft damit und dagegen die Würde der Betroffenen, in rückständigen, von Religion und Aberglauben geprägten Verhältnissen die eigene Existenz zu behaupten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.07.2015
Rezensent Alexander Kosenina kommt aus dem Schwärmen gar nicht raus: Endlich lässt sich die bereits 1948 erschienene faszinierende Debüterzählung "Das Kind" der Kärntnernin Christine Lavant auch hier entdecken. Dank des Germanisten Klaus Amann, der nun eine revidierte und kommentierte Handschriftenedition vorgelegt hat, kann sich der Kritiker ganz in den Bann des jungen Mädchen begeben, das hier nahezu intuitiv und mit außergewöhnlicher Sogkraft seine lange Krankengeschichte und den daran gebundenen Krankenhausaufenthalt beschreibt. Wie ein literarisches Gegenstück zum Impressionismus der Malerin Seraphine Louis erscheint Kosenina diese Erzählung, die zwischen Wahrnehmungsstrom und Fantasiewelt mäandernd, einen Einblick in das kindliche Gemüt gewährt und die unglaubliche Kraft der geradezu mystischen Autodidaktin offenbart.
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