Klappentext
Aus dem Tschechischen von Sophia Marzolff. Auf einem nächtlichen Spaziergang finden Adam und Sára am Stadtrand ein kleines, stilles Wesen. Das junge Paar entscheidet sich, das Geschöpf, das sie Flora nennen, erst einmal zu sich zu nehmen. Sie bringen es in die nahegelegene Datsche von Adams verstorbener Großmutter, die mitten in einem dystopischen, von der Stadtverwaltung abgesperrten Areal liegt. Sara entwickelt sofort Muttergefühle für das schnell wachsende Wesen und will in der Datsche bleiben, um es vor der Welt zu schützen, während Adam eine wachsende Distanz verspürt. Das Kleine wird ihm zunehmend unheimlich. Als seltsame Dinge geschehen, regt sich bei Adam ein furchtbarer Verdacht - doch was steckt wirklich dahinter? Jonáš Zbořill vertraut in seinem ersten Roman auf die Kraft der Fantasie. Er erzählt eine Geschichte aus einer nur leicht verschobenen Gegenwart, in der wir nicht mehr überblicken, wer unser Dasein bestimmt, wie grundlegend wir die Natur verändern und wie sehr künstliche Intelligenzen Einfluss nehmen. Und er stellt die Frage, wie man als Paar mit der eigenen Elternschaft und den damit einhergehenden zwiespältigen Gefühlen und Dynamiken umgeht und trotz allem Empathie für ein fremdes Wesen entwickeln kann.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.10.2026
In Jonas Zborils Debütroman lernt Kritikerin Katharina Granzin einen etwas gruseligen tschechischen Mythos kennen: Otesanek ist ein Kind-ähnliches Wesen aus Holz, das zum Menschenfresser wird. Ganz so schlimm steht es hier nicht, aber das Unheimliche schwingt mit, als Adam und Sara ein ähnliches Wesen finden. Granzin gefällt, dass hier vieles nicht ausgesprochen wird, zum Beispiel, wie das Wesen genau beschaffen ist und was in der Beziehung vorher geschehen ist. Auch die Übersetzung durch Sophia Marzolff lobt sie als "genau richtig irgendwo zwischen sachlich und poetisch". Die Welt, die sie hier kennenlernt, hat viel mit unserer gemeinsam und doch ist sie von unheimlichen Elementen durchzogen, die noch lange nachwirken. Zwischen giftigen Abfällen, Frankenstein-Experimenten, die von Kindern vorgenommen werden und No-Go-Zonen braut sich etwas zusammen, resümiert die Rezensentin die intensive Leseerfahrung.
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