Klappentext

Aus dem Englischen von Hans-Jürgen Balmes. Wie zeigt sich Liebe in Zeiten des Krieges? A'ida schreibt über Jahre hinweg Briefe an ihren geliebten Mann Xavier, der seine Haftstrafe im Gefängnis verbüßt. Sie erzählt vom täglichen Leben in der kleinen Stadt, in der ein totalitäres Regime und bürgerkriegsähnliche Kämpfe wüten. Wie sie Kranke versorgt, Möbel repariert und Essen für Freunde kocht, über Shakespeare-Sonette und den Geruch reifer Johannisbeeren. Das Schreiben gibt ihr Kraft und stärkt ihren Widerstand gegen Gewalt und Zerstörung. Bergers Roman ist eine bewegende und ergreifende Liebesgeschichte in Briefen, die an vielen Plätzen der Welt spielen könnte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2011

Rezensent Thomas David bedenkt John Bergers neuen Roman "A und X" mit viel Lob. Er liest diese "Liebesgeschichte in Briefen" - im Mittelpunkt stehen A'ida und ihr Mann Xavier, der als angeblicher Terrorist im Gefängnis eines fiktiven Unrechtsstaates sitzt - als ein "Gespräch gegen die Abwertung der Welt". Beeindruckend findet er A'idas Briefe an Xavier, die versuchen mit der Kraft der Worte die Trennung zu überwinden. Xaviers Aufzeichnungen auf der Rückseiten der Briefe vermitteln für ihn eine starke, wenn auch eine "nicht ganz unideologisch inszenierte" Globalisierungskritik. Gleichwohl bleibt die Geschichte der beiden Liebenden in seinen Augen stets einem ruhigen, unaufgeregten, berührenden Ton verpflichtet.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.12.2010

Carsten Hueck bewundert John Bergers geduldiges, nie versiegendes Engagement, schreibend für eine Verbesserung der Welt einzutreten. Auch sein jüngster Roman sei ein Akkord von "Ästhetik, Moral und Emotion", betont der Rezensent. Der Roman präsentiert sich als die gesammelten, im Gefängnis gefundenen Briefe der Apothekerin Aida an ihren wegen Terrorismus zu lebenslänglicher Haft verurteilten Geliebten, erklärt Hueck. Darin erzählt sie dem vom Leben Abgeschnittenen vom politischen Kampf, dem allgegenwärtigen Krieg, den gegen die Bevölkerung vorgehenden Soldaten, aber auch immer wieder vom Alltagsleben in der Stadt Suse in einem fiktiven Land irgendwann im 21. Jahrhundert, erfahren wir. Es ist ein großes "episches Gedicht", das frei von Sentimentalität, aber nicht ohne Pathos ist und das sich nicht zuletzt passioniert für "politisches Engagement" stark macht, so Hueck beeindruckt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.07.2010

Gelitten hat Tobias Lehmkuhl beim Lesen dieses Romans von John Berger. Daran dass der Autor die Armen und Entrechteten zu seinem Thema macht, findet er natürlich nichts einzuwenden. Auch der runtergedimmte Ton und dass der Text aus Briefen zweier Liebender besteht haben Lehmkuhl nicht weiter gestört. Zumindest die Zartheit der weiblichen Stimme aber empfindet er oft als betulich. Und was ist von einem Buch zu halten, dessen Konzeption (Gegenüberstellung zweier Stimmen) nicht aufgeht, weil die Stimmen sich im Standpunkt allzu sehr gleichen und keine Spannung erzeugen? Nicht viel, findet Lehmkuhl. Zumal er dem Autor auch bei der Bewertung der Standpunkte Schwarzweißmalerei attestiert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 18.03.2010

Gisela von Wysocki hat dieser Briefroman, als dessen Herausgeber sich John Berger hier maskiert, an sich gut gefallen, auch wenn sie schade findet, dass der britische Autor es für nötig hält, ihm auch noch einen politischen Kontext zu geben. Die Rezensentin findet nämlich, dass die Liebesbriefe, die die Apothekerin A'ida ihrem inhaftierten Xavier ins Gefängnis schickt, einen ganz besonderen, "überirdischen" Ton haben und damit über die gewohnte Sprache der Liebe hinausgehen, nicht zuletzt, weil der "Herausgeber" sie undatiert und unsortiert in diesem Buch versammelt. Der Autor lässt A'ida sehr lebendig und mit ausdruckstarken Bildern vom Leben erzählen und hier vermeint Wysocki dem Roman abzulesen, dass sein Verfasser zugleich ein versierter Maler ist. Wenn er die Liebesgeschichte allerdings dann vor einer ominösen Militärdiktatur drapiert, dann kommt es der Rezensentin so vor, als traue sich der Autor nicht, sich ganz auf seine Liebesgeschichte zu verlassen. Zudem gebe er seinen beiden von höherer Macht getrennten Liebenden den Anschein "reiner Seelen" und damit dem ganzen Roman etwas Opernhaftes, so Wysocki etwas unzufrieden.
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