Nach dem Willen vieler Mitgliedstaaten sollten die Vereinten Nationen 60 Jahre nach Unterzeichnung ihrer Charta im Jubiläumsjahr 2005 einer grundlegenden Reform und Erneuerung unterzogen werden. Rückblickend lässt sich feststellen, dass dabei sicher nicht der"große Wurf"gelungen ist. Das Thema einer möglichen Reform der Vereinten Nationen bleibt daher weiterhin mit hoher Priorität sowohl auf der Agenda der internationalen Politik als auch auf derjenigen der Wissenschaft. Das Institut für Politische Wissenschaft und das Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben dieses Jubiläum 2005/2006 unter Beteiligung hochrangiger Experten aus Politik- und Völkerrechtswissenschaft sowie der Praxis deutscher VN-Politik und Politikberatung zum Anlass genommen, die Arbeit der Weltorganisation in unterschiedlichen Politikbereichen auf den politikwissenschaftlichen und völkerrechtlichen Prüfstand zu stellen. Der vorliegende Band fasst die Ergebnisse zusammen. Damit liegt erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme der erreichten und vertagten UN-Reformen des Jubiläumsjahrs 2005 vor. Schwerpunkt der Analysen sind dabei Organisationsfragen des VN-Systems (Reform des Sicherheitsrates, der Generalversammlung, des UN-Sekretariats und der Vertragsgremien), der Bereich Friedenssicherung (Gewaltverbot,'Responsibility to Protect', Friedenskonsolidierung) und der Bereich Entwicklung und Umweltpolitik. Zudem werden offene Fragen der VN-Reform, die Chancen für die Umsetzung der Reformvorschläge sowie die Bedeutung und Tragweite der vorgeschlagenen Charta-Änderungen analysiert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.09.2006
Ein gutes Buch mit einer schlechten Nachricht, heißt es bei Rezensent Wilfried von Bredow. Gelungen sei der Aufsatzband insofern, als die Beiträger sowohl aus der Wissenschaft als auch dem diplomatischen bzw. Ministerialdienst kämen. Zudem seien die einzelnen Artikel in einer allgemein verständlichen Sprache verfasst. Die Autoren analysierten zum einen die organisatorischen Mängel der Vereinten Nationen und machten zum anderen Verbesserungsvorschläge. Die schlechte Nachricht aus Sicht des Rezensenten ist hingegen die pessimistische Zukunftsaussicht, die aus den Diagnosen zur Reformlage sprächen. Die USA würden an positive Veränderungen der Vereinten Nationen ohnehin nicht glauben und seien damit auf einer Linie mit solchen undemokratischen Staaten, die einen Machtzuwachs der Vereinten Nationen naturgemäß blockierten. Wenn dann sogar von deren drohender "Fossilisierung" gesprochen werde, resümiert der Rezensent, sei das ein böses Omen.
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