Als im Jahre 1710 weit vor den Toren der Stadt Berlin ein Pestlazarett errichtet wurde, konnte niemand ahnen, dass hieraus im Lauf der kommenden drei Jahrhunderte ein Weltzentrum der Medizin entstehen würde. Die bald als Armenkrankenhaus genutzte Einrichtung war schnell überfüllt, die Geldnot chronisch, die baulichen Verhältnisse mehr als schlecht, und die Behandlung der Kranken lag in der Hand von abkommandierten Militärchirurgen, die in der Regel nicht Medizin studiert, sondern nur ihr Handwerk erlernt hatten. Am Ende des 18. Jahrhunderts behaupteten Spötter nicht ohne Grund, dass die Charite in Berlin das leiste, wofür man in anderen Ländern der Erfindung des Herrn Guilottin bedürfe. Weitere hundert Jahre später war die Charite eines der begehrtesten Reiseziele der Ärzte aus aller Welt. Man kam nach Berlin nicht nur, um die berühmten theoretischen Institute der Universität oder die Universitätsklinika der Fakultät kennen zu lernen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.03.2010
Mit höchstem Interesse hat Robert Jütte diesen Band zur Geschichte der Berliner Charite gelesen, den er auch als gelungenes Beispiel für eine "Medizingeschichte von unten" preist. Als glücklich lobt er hier die Entscheidung der Medizinhistoriker Johanna Bleker und Volker Hesse, die ihre Untersuchung anlässlich des 300-jährigen Bestehens der Charite vorlegen, den einzelnen Kapiteln jeweils ein ausgewähltes Patientenschicksal zugrunde zu legen und in ihren Forschungen Kranke, Pflegepersonal und Ärzte in den Mittelpunkt zu stellen. Leises Bedauern äußert Jütte lediglich bei der Feststellung, dass das "ansonsten vorzügliche" Kapitel über die Versorgung und Behandlung Geisteskranker den Prozess nicht erwähnt, der gegen den Leiter der Abteilung wegen des Todes einer Patientin während einer Behandlung geführt wurde. Ansonsten aber findet der Rezensent die Wandlung des Armenkrankenhauses und Ausbildungsstätte für Militärärzte zum Universitätsklinikum hervorragend geschildert und empfiehlt die Lektüre als gewinnbringend.
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