Textkritisch herausgegeben und kommentiert von Konrad Feilchenfeldt, Bernhard Fischer und Dietmar Pravida. Varnhagen von Ense (1785 - 1858), Diplomat und Schriftsteller, der mit seiner Frau Rachel den berühmten literarischen Salon in Berlin führte, wird hier mit einer seiner wichtigsten Korrespondenzen vorgestellt: Der Verleger Johann Friedrich Cotta und später dessen Sohn Johann Georg sind die Adressaten dieser Briefe. Fußend auf den Beständen des Marbacher Cotta-Archivs und unter Rückgriff auf den bis in die 1980er Jahre verloren geglaubten Varnhagen- Nachlass der Jagiellonischen Bibliothek in Krakau, werden alle erreichbaren Briefe dieser Korrespondenz textgetreu präsentiert. Aufgenommen sind ferner die handschriftlich überlieferten Zeitungsartikel Varnhagens aus der "Allgemeinen Zeitung". Die beiden sorgfältig edierten Bände geben Einblick in das Denken zweier Zeitzeugen, die zwar keine bevollmächtigten Staatsmänner waren, aber in ihrer regen Anteilnahme am politischen Zeitgeschehen eine publizistische Interessengemeinschaft entwickeln. Die Briefe enthalten von der feuilletonistischen Theaterkritik über das aphoristische Fragment bis zum politischen Raisonnement alle literarischen Formen. Sie dokumentieren die Auseinandersetzungen um die Einführung der Länderverfassungen im Deutschen Bund nach 1815 und die Aktivitäten der süddeutschen Verfassungsbewegung. Und nicht zuletzt sind sie Dokumente der Goethe-Rezeption und Goethe-Verehrung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.04.2007
Der Briefband stillt ein Verlangen des Rezensenten. Laut Walter Hinck ergänzt er die Korrespondenzen Cottas mit Schiller, Goethe und Schelling und spricht Historiker, Philologen und politisch und kulturell Interessierte gleichermaßen an. Die von einem "umfassenden" wie "qualifizierten" Kommentar begleiteten Briefe geben Hinck dementsprechend weniger Einblick in Familiäres und Geschäftliches als vielmehr in die "gemeinsamen liberalen Ansichten" der Briefpartner, die er aus dem sich immer wieder zeigenden "geschichtlich-politischen Interesse" herausliest. Philologisch interessant erscheint Hinck der Vergleich der Briefe mit anderen Korrespondenzen der Zeit (Heine und Campe etwa). Die allgemeinen Kommunikationsverhältnisse sowie die sprachlichen Eigenheiten - "literarische Prosasprache" bei Varnhagen von Ense, "Verhandlungssprache" bei Cotta - würden so deutlich.
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