Die Katastrophe wird erst durch das Bild weithin bekannt. Jörg Trempler erzählt, wie diese Entwicklung begann und wie Sturmfluten und Brände in dramatischen Darstellungen vom Erdbeben in Lissabon 1755 bis zum 11. September in New York zugleich Furcht und heimliches Wohlgefühl bei all jenen auslösen, die nicht betroffen sind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.10.2013
An Jörg Tremplers Buch über das Bild als Medium der Katastropenerfahrung schätzt Hans Ulrich Gumbrecht die detaillierte Zusammenstellung historischer Bild- und Textmaterialien sowie die historische Hinführung zu einer Theorie des Katastrophenbildes. Der Kritiker merkt jedoch an mehreren Stellen inhaltliche Versäumnisse an. Tremplers These besagt, dass die Malerei anhand von Ereignissen wie dem Erdbeben von Lissabon 1755 und der Französischen Revolution 1789 begann, größere Kontexte darzustellen. Seine Argumentation findet Gumbrecht allerdings lückenhaft und teils wenig plausibel begründet. Zudem kritisiert er die "längst banal gewordene" konstruktivistische Perspektive, die Mittelpunkt von Tremplers Theorie sei. So bleiben für den Rezensenten viele Gedankengänge schwammig, Begriffe wie der des "Bildakts" und Aspekte wie die Beziehung zwischen Geschichte und Kunstgeschichte werden nicht ausreichend mit einbezogen.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 02.10.2013
Anhand eines kleinen Gedankenexperiments macht Rezensent Alexander Cammann klar, woraus sich Jörg Tremplers Studie "Katastrophen" speist: Wie würden wir die Welt wahrnehmen, wenn es viel, viel weniger Bilder gäbe oder sogar gar keine? Trempler zufolge waren es die Bilder von Ereignissen, die sie für uns überhaupt real werden lassen, sie ermöglichten, dass wir uns eine Vorstellung von ihnen machen, erklärt der Rezensent. "Katastrophe" war bis ins achtzehnte Jahrhundert ein Fachbegriff der Dramentheorie, weiß Cammann, erst die Darstellungen von Vulkanausbrüchen, Erdbeben und Schiffsunglücken füllten den Begriff mit einer anderen, alltäglichen Bedeutung und machten die Katastrophe für Zeitgenossen begreiflich. Schade, dass Tremplers Text unter seinem sprunghaften Stil leidet, findet Cammann. Eine zeitweilige Bilderaskese könnte sich der Rezensent nach der Lektüre dennoch vorstellen.
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