Joel Dicker

Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert

Roman
Cover: Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert
Piper Verlag, München 2013
ISBN 9783492056007
Gebunden, 736 Seiten, 22,99 EUR

Klappentext

Übersetzt von: Carina von Enzenberg. Es ist der Aufmacher jeder Nachrichtensendung. Im Garten des hochangesehenen Schriftstellers Harry Quebert wurde eine Leiche entdeckt. Und in einer Ledertasche direkt daneben: das Originalmanuskript des Romans, mit dem er berühmt wurde. Als sich herausstellt, dass es sich bei der Leiche um die sterblichen Überreste der vor 33 Jahren verschollenen Nola handelt und Quebert auch noch zugibt, ein Verhältnis mit ihr gehabt zu haben, ist der Skandal perfekt. Quebert wird verhaftet und des Mordes angeklagt. Der einzige, der noch zu ihm hält, ist sein ehemaliger Schüler und Freund Marcus Goldman, inzwischen selbst ein erfolgreicher Schriftsteller. Überzeugt von der Unschuld seines Mentors - und auf der Suche nach einer Inspiration für seinen nächsten Roman - fährt Goldman nach Aurora und beginnt auf eigene Faust im Fall Nola zu ermitteln...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.09.2013

Diese 700 Seiten gingen ihm runter wie Öl, schwärmt Joseph Hanimann nach der Lektüre dieses "schmissigen Krimis", der hinter einem vordergründig erzählten Schriftstellerschicksal eine ganze Fülle schicksalhafter Themen verhandelt. Vor allem staunt der Rezensent darüber, wie souverän sich der Autor durch den zeitlich komplex strukturierten Roman manövriert: So gesellt sich, je tiefer Dicker per Rückblenden in die vorangegangenen Ereignisse blickt, eine zweite, omnipräsente Erzählinstanz zur ersten, was dem Rezensenten zufolge ähnlich zur Spannung beiträgt wie die countdownartig bezifferten Kapitel. Zwar räumt Hanimann durchaus ein, dass manche Passage etwas zu lang und der eine oder andere Charakter eher unnötig sei, was ihn jedoch nicht davon abhält, zum Ende seiner Rezension Höchstnoten zu verteilen: Als komplex arrangierte Literatur ist das im übrigen exzellent übersetze Buch geglückt, als Krimi fesselnd.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2013

Viel Lärm um nichts, meint die Rezensentin über dieses als französischer Verkaufsschlager annoncierte Buch, das sie für eine einzige Belanglosigkeit hält. Joel Dicker erzählt in seinem Page-Turner die Geschichte eines Autors in der Schaffenskrise, der in einem dreißig Jahre alten Mordfall zu ermitteln beginnt, darüber ein Buch schreibt und super erfolgreich wird. Neben den ganzen unglaubwürdigen Wendungen hat Bopp vor allem das "Alles-oder-nichts-Getue" genervt, ständig gebe der väterliche, aber doch sehr geheimnisvolle Schriftstellerfreund Harry Quebert solch "alberne Ratschläge" wie: Du musst schreiben wie Boxen, als wäre es dein letzter Kampf. Als Strandlektüre würde Bopp das noch durchgehen lassen, als teure Übersetzung hat es sie richtig geärgert.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.08.2013

Barbara Villiger Heilig liefert reichlich Hintergründe zu diesem Roman, der in Frankreich um ein Haar den Prix Goncourt gewonnen hätte, Begeisterungsstürme bei Jung und Alt auslöste, den Zeitungen reichlich Stoff lieferte und noch dazu mit einem cleveren Edward-Hopper-Covermotiv versehen ist. Auch weiß sie, dass der Autor nach einem glücklosen Debüt ganz bewusst auf einen Pageturner im amerikanischen Stil abzielte, der dann immerhin sogar seinen Lektor vor lauter Hochspannung um den Urlaub brachte. Obwohl es in dem mehrfach in sich gestaffelten, mit allerlei Zeitbezügen versehenen Roman durchaus um eine ungehörige Liebesbeziehung - auch um Mord und einen Bestsellerroman - geht, weiß Dicker Schlüpfrigkeiten zu umgehen, berichtet die Rezensentin, die das Wort "blasen" mit spitzen Fingern in Anführungszeichen setzt. Sehr gut gefallen ihr die literarische Konstruktion des Werks, insbesondere deren rhythmisierte Perspektivenwechsel, sowie Dickers filmreife Settings und das "postmoderne Vexierspiel", das er hier sehr kurzweilig und im höchsten Maße spannend betreibe. Da werden auch die wenigen pflichtschuldig erwähnten Schwächen im Nu weggewischt: Hie und da ein Hang zum Klischee, recht dumpf die Beschwörungen der Liebe und, nun ja, doch im Großen und Ganzen ein Panorama angehäufter Unwahrscheinlichkeiten. Einerlei, sagt Villiger Heilig und lässt sich - nicht ohne ausdrücklichen Lesebefehl an ihre eigenen Leser - von Dicker einfach mitreißen.
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