Joachim Zelter

Der Ministerpräsident

Roman
Cover: Der Ministerpräsident
Klöpfer und Meyer Verlag, Tübingen 2010
ISBN 9783940086839
Gebunden, 192 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Dass er einen Autounfall hatte, dass dabei einiges passiert sei, insbesondere in seinem Kopf und mit seinem Gedächtnis. Dass er zehn Tage im Koma gelegen habe und erst seit Kurzem wieder wach sei ... Und: dass er Claus Urspring heiße und er Ministerpräsident sei und es auch bleiben werde - ein politischer Begriff, ein Inbild der Vertrautheit und Unverrückbarkeit, der kurz vor einem alles entscheidenden Wahlkampf stehe ... All das und noch einiges mehr erfährt Claus Urspring, ein von Wahlkampfhelfern und politischen Beratern Getriebener, ein soufflierter und inszenierter Mensch, der seit seinem Unfall kaum mehr weiß, wer er einmal war und was mit ihm eigentlich ist. Zwischen liebenswerter Ahnungslosigkeit und kindlichem Erstaunen, zwischen Fremdsteuerung und eigensinniger Selbstbehauptung erzählt der Roman einen um Erinnerungen und Selbstfindung ringenden Helden, der sich in einer Welt wieder findet, in der Politik nur noch leere Inszenierung und inhaltloser Schein ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.09.2010

Nicht von dem "unpoetischen" Titel abschrecken lassen, warnt Rezensentin Judith von Sternburg. Denn sobald man weiß, dass diese Politsatire in Baden-Württemberg spielt, entfalte sie ihren ganzen Witz: Nach einem Unfall verliert Ministerpräsident Claus Urspring sein Gedächtnis, kennt nicht einmal mehr den Namen seiner Partei, soll diese aber im Wahlkampf vertreten. Kein Problem für die Parteigenossen: Er soll einfach nur die Lippen bewegen, seine Reden werden aus Versatzstücken zusammengeschnitten und eingespielt. Und da sein Hinken in der Öffentlichkeit nicht bemerkt werden darf, soll er einfach das Rad benutzen. Bei solchen Szenen hat sich die Kritikerin bestens amüsiert und ist zugleich erleichtert, dass auch die Liebesgeschichte, die den neuen, "wahren" Urspring hervorholt, den Roman nicht vorausschaubar und platt erscheinen lässt. Denn dadurch, dass Zelter die Geschichte aus der Perspektive seines Protagonisten erzähle, stehe vielmehr dessen "existentielle Hilflosigkeit" im Vordergrund und erspare flache Reflexionen über das "böse" Politikgeschäft. Diesem Roman, der den Wahlkampf als "Desaster der Demokratie" zeige, wünscht die Rezensentin viele Leser -gerade auch unter Politikern.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.08.2010

Rezensent Tobias Lehmkuhl hat diese "sehr gute Satire" mit Vergnügen gelesen, die, wie er zusätzlich angetan feststellt, nicht mehr sein möchte als eine Satire. Seiner Einschätzung nach hat sich ihr Autor Joachim Zelter vom Skiunfall des "damals so seltsam apathisch wirkenden" thüringischen Ministerpräsidenten Althaus zu seiner - auch sprachlich gelungenen, weil soghaften - Geschichte inspirieren lassen. Zudem hat er seiner Hauptfigur als Unfallfolge gleich noch eine Amnesie verpasst. So macht es Sinn, dass der Protagonist sich benimmt wie ein "ferngesteuerter Roboter". Trotz dieser Nähe zu einer wahren Begebenheit stellt Zelter nach Lehmkuhls Meinung nicht "einzelne Personen bloß", sondern nur "bestimmte Typen".
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