Henriette Kaiser, Joachim Kaiser

'Ich bin der letzte Mohikaner'

Cover: 'Ich bin der letzte Mohikaner'
Ullstein Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783550086977
Gebunden, 397 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Joachim Kaiser studierte bei Theodor W. Adorno und Max Horkheimer, war ein Hauptkritiker der Gruppe 47 und begleitet seit Anfang der fünfziger Jahre das Literatur-, das Musik- und das Theaterleben mit großer Professionalität und Leidenschaft. Mit vielen Musikern, Schriftstellern und Theaterleuten verbindet ihn auch heute eine enge Freundschaft. Gemeinsam mit seiner Tochter Henriette begibt er sich in diesem Buch auf die Suche nach seiner Kindheit und Jugend in Ostpreußen, er spricht über seine frühe Begeisterung für Musik, Literatur und Theater und seine Arbeit als Kritiker, gibt Einblick in die Themen, die ihn zeitlebens beschäftigen, und erzählt von Begegnungen mit Schriftstellern, Philosophen und Musikern: von Jürgen Habermas über Leonard Bernstein, Artur Rubinstein, Ingeborg Bachmann, Max Frisch, Martin Walser, Anne-Sophie Mutter bis hin zu Christoph Schlingensief.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2008

Für Julia Spinola macht die Lektüre dieser von Henriette Kaiser aufgezeichneten und kommentierten Biografie ihre Vaters vor allem eines deutlich: Joachim Kaiser hat seinen archimedischen Punkt gefunden. Von hier aus geht sein Blick auf Musik, Literatur, Theater. So wundert es Spinola auch nicht, wenn die ästhetischen Reflexionen Kaisers die biografischen Informationen in diesem Buch rein quantitativ in den Schatten stellen. Der (kritische) Umgang mit dem Kunstwerk als "Gerinnungsform des Lebens", das gilt laut Spinola sogar für Kaisers Kindheits- und Jugenderinnerungen. Dabei kriegt die Rezensentin das Zentrum der Biografie "berufstypisch" gar nicht zu fassen. Die Unverzichtbarkeit von ästhetischer Bildung, geistiger Leidenschaft und freier Fantasie für Kaisers Leben und Wirken leuchtet ihr allerdings unmittelbar ein. Ebenso Kaisers Qualität: "sachhaltig" für Kunst zu begeistern. Irritiert zeigt sich Spinola zum einen durch den Umstand, dass Kaisers Musikbegeisterung offenbar bei der kompositorischen Moderne aufhört, da er sie fast gänzlich ausblendet. Zum anderen erscheinen ihr die zwischen "Belanglosigkeit und Indiskretion" angesiedelten von Henriette Kaiser beigesteuerten Abschnitte als das genaue Gegenstück zum Phänomen Kaiser und seiner geistigen Lebensform.