Jeffrey A. Wolin

Jeffrey A. Wolin

Pigeon Hill - Then & Now
Cover: Jeffrey A. Wolin
Kehrer Verlag, Heidelberg 2016
ISBN 9783868287219
Gebunden, 96 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Mit 58 Duplexabbildungen. Text in englischer Sprache. Von 1987 bis 1991 machte Jeffrey Wolin Hunderte von Porträtfotos, die Bewohner der Sozialsiedlung "Pigeon Hill" in Bloomington, Indiana, zeigen. Damals gab es viele Diskussionen über die Probleme des Wohlfahrtsstaats mit Kriminalität, Drogenmissbrauch und dauerhafter Armut. Im Jahr 2010 ermordete ein Meth-Dealer eine Frau, und ihr Bild erschien in der Lokalzeitung. Wolin erkannte in ihr eines der Modelle seiner früheren Porträts wieder. Er beschloss, jene Bewohner der Sozialbauten ausfindig zu machen, die er einst fotografiert hatte. Eine ganze Generation später wollte er dokumentieren, wie ihr Leben verlaufen war. Dazu hat er in den letzten fünf Jahren über hundert Menschen erneut fotografiert. Viele leben nach wie vor in ärmlichen Verhältnissen, während andere inzwischen gesicherte Mittelschicht-Existenzen führen. Nicht wenige hängen im Strafvollzugssystem fest, meist für gewaltfreie Vergehen wie Nichtzahlung von Kindesunterhalt oder Drogenmissbrauch. Die USA haben einen höheren Anteil von Inhaftierten als jedes andere Land der Erde. Wolin konzentriert sich auf die Gesichter der Personen, die er mit den früheren Porträts zu Bildpaaren zusammenstellt. So sieht der Betrachter, wie Lebenserfahrungen - gute und schlechte - in diesen offenen, ausdrucksvollen Gesichtern geschrieben stehen.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 20.04.2017

Rezensentin Katharina J. Cichosch zählt erst einmal auf, was "Pigeon Hill: Then + Now" nicht ist: Es ist keine sozialromantische Armutsgeschichte, es ist kein "Live-Dabei-Chic" im Stil Nan Goldins und auch keine lieblose Dokumentation. Was übrig bleibt, sind die Bilder eines Fotografen, der seinen Porträtierten selbst die Deutungshoheit über ihr Leben, ihre Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in der US-amerikanischen Sozialsiedlung Pigeon-Hill überlässt. Auf den zwischen 1987 und 1991 entstandenen Fotos von Jeffrey A. Wolin posieren Kinder in "Batman"-Shirts, mit Gewehren und vor Autos, lesen wir, was die Fotografien nicht zeigen, sind Väter, die sich volllaufen lassen, Junkies, die sich ihren Schuss setzen oder Kinder, die von ihren frustrierten Müttern verprügelt werden. Aber das ist auch gar nicht notwendig, meint der beeindruckte Rezensent.

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