Jean-Claude Izzo

Chourmo

Roman
Cover: Chourmo
Unionsverlag, Zürich 2000
ISBN 9783293201873
Taschenbuch, 272 Seiten, 8,64 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Katarina Grän und Ronald Vouillé. Fabio Montale will nicht mehr länger Polizist sein. Und die Polizei von Marseille hält ihn nach den Skandalen von "Total Cheops" auch nicht mehr für unverzichtbar. Er möchte lieber gut essen und trinken, mit seinen Freunden reden und mit seinem Boot die Küste entlangschippern. Aber seine Cousine Gélou, die aussieht wie Claudia Cardinale, ist verzweifelt: Ihr Sohn Guitou ist mit seiner arabischen Freundin verschwunden. Fabio soll ihn finden. Dass Guitou schon lange tot ist, dämmert Montale erst nach und nach. Plötzlich hat Kommissar Loubet von der Polizei gar nicht mehr so viel dagegen, dass Montale sich um Aufklärung bemüht.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.09.2000

Robert Brack bespricht zwei neue Krimis aus Frankreich, deren Autoren von deutschen Lesern mittlerweile sehr geliebt würden: Fred Vargas, weil sie solide Geschichten baut, und Jean-Claude Izzo, der einem Marseille nahe bringt.
1) Fred Vargas: "Bei Einbruch der Nacht" (Aufbau Verlag)
Es ist der mittlerweile vierte Roman, der nun auf Deutsch von Fred Vargas vorliegt, weiß Robert Brack und berichtet weiter: hinter diesem Pseudonym verberge sich eine Pariser Archäologin, die das Krimischreiben zu ihrem Hobby erkoren habe. Die Geschichte ist in den französischen Alpen angesiedelt und spielt das Motiv des Werwolfs durch, der vermeintlich Tiere und sogar Menschen mordet. Auf den ersten Blick eine geradlinig erzählte Geschichte, meint Brack, die gelegentlich ins Bedeutungsschwere abdrifte, was bei dem mythologischen Thema ja auch kein Wunder sei. Auf den zweiten Blick erwiesen sich denn auch die Protagonisten des Romans als keineswegs eindimensional, sondern seien ebenso undurchsichtige Charaktere wie die von ihnen verfolgte Geschichte Rätsel aufgebe, die eben eine detektivische Lösung erfordere.
2) Jean-Claude Izzo: "Chourmo" (Unionsverlag)
Sehr viel schlechter als Vargas kommt Izzo bei Robert Brack weg: als großmäulig und großspurig bezeichnet Brack Izzos Hauptfigur, den italienisch stämmigen Kriminalkommissar Montale. Und er findet noch mehr Argumente für sein Unbehagen. Dass der Autor aus dem simpel gestrickten Macho einen intellektuellen Autodidakten gemacht hat, findet er beispielsweise wenig einleuchtend. Auch vermisst er die nötige Distanz des Autors zu seiner Figur, die dieser heftig und in der eher selbstgefälligen Pose des Einzelkämpfers gegen alle sozialen Missstände der französischen Hafenstadt wettern und agieren lässt - mit anderen Worten: plump, so plump wie auch die Konstruktion der Mordgeschichte, die bei Brack auf keine Gegenliebe stößt. Einziges Zugeständnis unseres unzufriedenen Rezensenten: er liebt die fiebrige Atmosphäre, in die Izzo eine weitere Protagonistin aller seiner Romane taucht: die Stadt Marseille.
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