Jan Weiler

Kühn hat Ärger

Roman
Cover: Kühn hat Ärger
Piper Verlag, München 2018
ISBN 9783492057578
Gebunden, 400 Seiten, 20,00 EUR

Klappentext

Die Sonne geht auf, es regnet, oder es schneit. Aber im Grunde startet jeder neue Tag mit derselben Chance. So sieht Martin Kühn es jedenfalls, an guten Tagen. In letzter Zeit allerdings hatte er eher selten gute Tage, seine Frau Susanne benimmt sich seltsam, und er selbst ist dabei, einen amourösen Fehltritt zu begehen. Auch der heutige Tag beginnt wechselhaft, denn Kühn soll mit seinem Kollegen Steierer den Mörder eines jungen Mannes finden. Die Ermittlungen führen ihn, den einfachen Polizisten und Berufspendler, in die Welt der Reichen und Wohltätigen. Diese neue Erfahrung setzt ihm doch mehr zu, als Kühn es sich eingestehen will. Und während er auf der Terrasse der Verdächtigen selbstgemachte Limonade kostet, sucht Kühn die Antwort darauf, ob es überhaupt einen Ort gibt, an dem er in diesem Leben richtig ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.04.2018

Jan Weiler hat mit seinem betont mittelmäßigen Vorort-Kommissar Martin Kühn einen Ermittler von "Weltrang" geschaffen, jubelt Rezensent Gerhard Matzig und scheut den Vergleich mit Cormoran Strike und Kurt Wallander keineswegs. Weil es Weiler nicht nur gelingt mit wenigen Strichen, Rhythmus-Gefühl und Gespür für Tempo und Verzögerung spannende Kriminalgeschichten zu erzählen, sondern auch, weil sein Kommissar dem Leser bereits im zweiten Fall so an Herz gewachsen ist, dass man nicht nur wissen will, wie es mit ihm weiter geht, sondern auch beginnt, die Welt durch dessen Augen zu sehen, versichert Matzig etwas treuherzig. Und wie Weiler in diesem Mordfall um einen gewaltbereiten Sohn libanesischer Flüchtlinge den Culture Clash zwischen Grünwald und dem Münchner Problembezirk Neuperlach inszeniert, hat dem Rezensenten ohnehin gut gefallen. Hier reichen sich Patricia Highsmith, Claude Chabrol und Derrick die Hände, schließt er überschwänglich.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 17.03.2018

Christian Seidl schätzt den Literaten Jan Weiler. Wie der mit seinem Polizisten Kühn eine eigentlich imposante Figur an den Rand des Nervenzusammenbruchs manövriert, scheint ihm einerseits bitter tönend angesichts des verhandelten Verlusts aller Gewissheiten, andererseits ausgezeichnet durch genaue Milieuschilderungen aus der Welt der Erniedrigten und Beleidigten. Mehr unterhaltsamer Zeitroman als Krimi, meint Seidl einigermaßen begeistert.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.03.2018

Rezensent Christian Seidl hält Jan Weiler als Autor von Gegenwartsdiagnostik für unterschätzt. In Weilers neuem Roman kann der Leser laut Seidl nun nachlesen, wie sprachlich präzis und unterhaltsam der Autor Milieus zeichnen und den Ruin des sozialen Zusammenhalts beschreiben kann - besser als jede Sozialforschung, findet er. Dass der Held im Buch Polizist ist und ein Mordfall zu klären ist, ist für Seidl eigentlich gar nicht so wichtig. Entscheidender ist für ihn, wie hier ein Leben, Moralvorstellungen und schließlich eine ganze Gesellschaft auf die schiefe Ebene geraten. Mehr ein Zeitroman denn ein Krimi, findet der Rezensent.