Klappentext
Regie: Gert Westphal. Gesprochen unter anderem von Charles Regnier, Martin Benrath, Gustl Halenke. Ausgezeichnet mit dem Hörspiel der Kriegsblinden 1959. Sie kennen sich noch keinen ganzen Tag. Doch Jan und die Studentin Jennifer lieben sich bereits mit Haut und Haaren. Das junge Glück sprengt alle Konventionen, ihre Leidenschaft schließt die übrige Welt aus. Doch da spricht ein selbst ernannter Guter Gott von Manhattan sein Todesurteil aus. Sprachlich ebenso überwältigend wie ihre Gedichte, schafft Ingeborg Bachmann mit ihrem Hörspiel eine zutiefst fesselnde imaginäre Bilderwelt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2006
Fast ein halbes Jahrhundert hat diese Hörspielaufnahme schon auf dem Buckel. Für Rezensentin Barbara Catoir kein Grund, sie zum alten Eisen zu zählen. Gebannt lauscht sie der "lyrischen Komposition" und der "sprachlichen, stimmlichen und klanglichen Intensität" des Hörspiel-Klassikers. Was dereinst die Kriegsblinden für preiswürdig befanden, ist für sie auch heut noch ein Ohrenschmaus. Vom Ausgangssetting eines Gerichtssaals geht es unversehens mittenrein in die Geräuschkulisse eines Bahnhofs, wird mittels Einblendungstechnik ein "Hörspiel im Hörspiel" geschaffen, das wiederum durchlässig ist für das Surreale, "krächzende, hämisch lachende Kasperlestimmen" etwa, die das Böse ankündigen. Wie Bachmann die Themen Liebe und Gesellschaft, Norm und Entgrenzung vordergründig als Verhandlung eines Verbrechens, als Verhör, weiter aber als balladeskes Märchen komponiert, hat Catoir offensichtlich stark beeindruckt.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.10.2005
Martin Z. Schröder ist einmal eingeschlafen, nochmal eingeschlafen, hat es aber immer wieder probiert und empfiehlt das zur Nachahmung. Denn nicht mindere Qualität löste die Müdigkeit aus, sondern hoher Anspruch. 1958, als Bachmanns Hörspiel über die sabotierende Kraft der Liebe im Radwerk des Kapitalismus erstmals ausgestrahlt wurde, gab es eben noch mehr Hörer, die aufmerksam solchen Texten zu lauschen gewohnt waren. Und wenn man sich bemüht und das Stück "Satz für Satz" geduldig verfolgt, verspricht Schröder, dann stellt es sich schließlich ein, das Vergnügen an einer "schönen Prosa" mit "kunstvoll verzwirbelten und schrägen Gedanken".
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